Den größten Knackpunkt bildet die sportliche Neuausrichtung. Der Rücktritt von Kapitän Lionel Messi nach der WM leitet eine neue Ära ein, ergänzt durch das Aus von Routine-Verteidiger Nicolás Otamendi sowie Unklarheiten über die Zukunft weiterer Leistungsträger wie Leandro Paredes, Emiliano Martínez und Rodrigo De Paul.
Hinzu kommt eine drohende Vakanz im Betreuerstab, da Co-Trainer Walter Samuel eine Cheftposition in Europa anstrebt. Scaloni steht somit vor der gewaltigen Aufgabe, das Team fast von Grund auf neu zu strukturieren – eine Herausforderung, für die er nach vier gewonnenen Titeln erst noch den nötigen Antrieb finden muss.
Posse um Freundschaftsspiele
Abseits des Platzes belasten organisatorische Probleme das Verhältnis zwischen Mannschaft und Verband. Zum einen sorgen ausstehende Prämien und Boni für Unmut im Kader, da die Zahlungen trotz einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Phasen der AFA auf sich warten lassen.
Zum anderen schwelt seit Langem ein Streit über die Freundschaftsspiele: Während Scaloni Duelle mit hochkarätigen Gegnern fordert, präsentiert die AFA regelmäßig unterklassige Kontrahenten. Zuletzt sprang man vor der WM kurzfristig mit Mauretanien und Sambia ein, nun stehen erneut Duelle gegen Teams wie Burkina Faso oder Benin im Raum.
Die Zeit für eine Entscheidung drängt jedoch gewaltig, da mit den anstehenden Länderspiel-Fenstern im Herbst der Fahrplan für die Post-Messi-Ära stehen muss. Scalonis Bilanz seit 2018 ist beeindruckend: In 104 Spielen feierte er 76 Siege, holte vier Titel und erreichte zwei WM-Endspiele. Während die AFA den Erfolgsweg fortsetzen will, muss Scaloni für sich klären, ob er bereit ist, mit einer stark veränderten Mannschaft noch einmal ganz von vorn anzufangen.
