Er habe mit seinem Erfolg "das Dach des Motorsports" erklommen und "ein Meisterwerk" geschaffen, jubelte die Gazzetta dello Sport über Antonelli, der die Hitze Floridas endgültig als Titelanwärter Nummer eins verließ. Dementsprechend sei der 19-Jährige "immer mehr der wahre König der Formel 1", titelte die Corriere della Sera - mehr noch: "Er ist ein Astronaut aus einer fernen Galaxie."
In seiner Heimat träumen sie längst vom ersten italienischen Weltmeister seit dem legendären Alberto Ascari vor 73 Jahren. Zu abgezockt hatte sich Antonelli in Miami präsentiert, trotz seines noch jungen Alters den erneut schlechten Start abgeschüttelt und später dem großen Druck von Weltmeister Lando Norris im McLaren standgehalten. "Der Teenager darf in den USA zwar noch keinen Alkohol kaufen", schrieb der britische Guardian mit einem Augenzwinkern, "doch am Ende dieses packenden Rennens bis zur Zielflagge hatte sich der Italiener zweifellos einen Drink verdient."
Wolff als Mahner
Seine ersten drei Grand-Prix-Siege in Folge von der Pole Position aus zu gewinnen, das schafften nicht einmal Rekordweltmeister Michael Schumacher und Formel-1-Legende Ayrton Senna. Doch Antonelli lassen solche Statistiken kalt. Es sei "cool", sagte der Mercedes-Pilot, der seinen Sieg dem am Freitag verstorbenen Alex Zanardi widmete, "aber ich will nicht zu viel darüber nachdenken". Er werde einfach versuchen, sich "so gut wie möglich" auf das Kanada-Rennwochenende in drei Wochen vorzubereiten, "damit wir noch stärker zurückkommen".
In das fünfte Rennen des Jahres nimmt der WM-Spitzenreiter einen Vorsprung von 20 Zählern auf Teamkollege George Russell mit, der in Miami zum wiederholten Male dem Tempo seines jungen Widersachers nicht hatte folgen können. Und auch wenn Antonelli aus Sicht von Toto Wolff das bisher "beste Rennen" gefahren sei, weiß der Teamchef, dass auf seinen jungen Schützling noch schwierigere Zeiten warten werden. "Das kann genauso gut wieder in eine andere Richtung schwingen", sagte der Österreicher bei Sky.
Mit einem solchen Punktepolster habe er "nicht gerechnet. Natürlich erleben wir gerade eine tolle Phase", sagte Antonelli: "Aber wie ich schon gesagt habe: Die Saison ist noch sehr lang, und es kann sich noch so vieles verändern."
Doch bevor mögliche Probleme eintreten, genieße er "diese Reise" - Treffen mit Messi inklusive - "sehr".
