"Einfach nur noch krank" - Leverkusens teurer Teenager-Transfer Eichhorn in der Kritik

Kenneth Eichhorn spaltet die Experten.
Kenneth Eichhorn spaltet die Experten.ČTK / imago sportfotodienst / Michael Taeger

Neun Millionen Euro Ablöse und ein üppiges Handgeld für einen 16-Jährigen: Bayer Leverkusen wagt mit Kennet Eichhorn eine riskante Wette auf die Zukunft.

Ein 16-Jähriger, der ein Handgeld von angeblich zehn Millionen Euro für einen Transfer fordert: Die Dimensionen des Deals um Kennet Eichhorn sorgten wochenlang für Schlagzeilen. "Das ist einfach nur noch krank, dass sich der Fußball in diese Richtung entwickelt. Dass ein 16-Jähriger, der noch nichts auf höchster Bühne bewiesen hat, zehn Millionen Euro auf die Hand bekommt. Das ist Wahnsinn", sagte etwa Kevin Großkreutz, Weltmeister von 2014, gewohnt meinungsstark in seinem Podcast "Viertelstunde Fußball".

Borussia Dortmund und Bayern München hatten sich offenbar wegen des hohen Handgeldes aus den Verhandlungen zurückgezogen, am Ende schlug Bayer Leverkusen im Kampf um das Juwel zu. 17 Zweitliga-Spiele für Hertha BSC hat Eichhorn bislang absolviert und dabei ein Tor erzielt. Nach Medienberichten waren auch die englischen Topklubs Manchester City und FC Liverpool sowie RB Leipzig an dem Mittelfeldspieler interessiert.

Er habe sich "nach wirklich sehr guten Gesprächen für die aus meiner Sicht beste Lösung entschieden", sagte Eichhorn, der beim Werksklub einen "langfristigen Vertrag" unterschrieb. Leverkusen habe sich "schon vor einem Jahr stark um den Sechser aus der Hertha-Jugend bemüht", hieß es.

Den entscheidenden Impuls lieferte schließlich ein Treffen mit dem neuen Cheftrainer Carles Martínez, der für seine erste Reise im Amt extra nach Berlin gereist war. "Der Austausch mit Carles war von großer Übereinstimmung in den fußballerischen Themen und von gegenseitigem Vertrauen geprägt", erklärte Geschäftsführer Sport Simon Rolfes.

Leverkusen - Traum für Talente?

Eichhorn, der in der vergangenen Saison zum jüngsten Torschützen der 2. Bundesliga avancierte, verfügte in Berlin über eine Ausstiegsklausel in Höhe von neun Millionen Euro. Bei einem Marktwert von 20 Millionen Euro (laut Transfermarkt) bleibt der Deal für Leverkusen durch das kolportierte Handgeld somit marktgerecht.

Dennoch gehen die Rheinländer auch ein großes Risiko ein. Der letzte vergleichbare Deal in der Bundesliga war der Transfer von Julien Duranville, für den damals ebenfalls 16-Jährigen zahlte Dortmund im Januar 2023 8,5 Millionen Euro. Heute hat Duranville nur 313 Minuten Spielzeit in der Bundesliga absolviert und gilt als Fehlinvestment.

Dass sich Leverkusen nun "eines der besten deutschen Talente" sicherte, ist kein Zufall: Kai Havertz und Florian Wirtz, der ebenfalls im Alter von 16 Jahren nach Leverkusen kam, schafften bei Bayer den Durchbruch und wechselten später für Beträge in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro nach England. Im vergangenen Sommer holte der Klub mit Ibrahim Maza bereits ein Mittelfeldtalent von Hertha BSC - nun folgt Eichhorn, für den es in beide Richtungen gehen könnte. Wird er der nächste Wirtz? Oder der nächste Duranville?