"Es hängt natürlich davon ab, was der Körper macht", sagte der 25-Jährige, der nach dem Verpassen der Playoffs mit den Detroit Red Wings frühzeitig nach Deutschland gereist war, zuletzt bei MagentaSport. In Mannheim, wo er 2017 bei den Adlern mit 16 sein Profidebüt gegeben hatte, ist Seider seit Ende April in der Reha. Eine "kleine Verletzung", die während der Saison "sehr klein gehalten" wurde, habe sich "als größer entpuppt", verriet er.
Ob er bei der Generalprobe am Sonntag (17.00 Uhr/MagentaSport) gegen Olympiasieger und Weltmeister USA in der SAP Arena auflaufen kann, ist noch ebenso fraglich wie seine sechste WM-Teilnahme ab dem 15. Mai in der Schweiz. Dass er "immer gerne für die Nationalmannschaft spielen" würde, steht außer Frage. Schon mit 18 - vor seinem NHL-Draft - gab er sein WM-Debüt im A-Team, vor dem Silbercoup 2023 sagte er wegen diverser Blessuren eigentlich ab, ließ sich aber doch überreden mitzuspielen und wurde am Ende ins All-Star-Team gewählt.
Kaum noch Spuren von Olympia-Auswahl
Lediglich 2024 fehlte der NHL-Star wegen ungelöster Versicherungsfragen, weil sich die Vertragsverhandlungen mit Detroit hinzogen. Im vergangenen Jahr war er sogar Kapitän. "Es ist am Ende seine Entscheidung", sagte DEB-Sportvorstand Christian Künast, sie werde "nach dem USA-Spiel fallen".
Grünes Licht von Seider wäre besonders wichtig, weil die anderen NHL-Stars bereits abgesagt haben: Leon Draisaitl, der in den NHL-Playoffs nach Knieverletzung laut Künast "nie bei 100 Prozent" war, fehlt ebenso wie Tim Stützle und John-Jason Peterka, die "auch angeschlagen" seien. Von der "besten Nationalmannschaft aller Zeiten" bei Olympia im Februar stehen Kreis aktuell in Mannheim - inklusive Seider - lediglich zehn Spieler zur Verfügung, der ein oder andere Berliner wird nach den Meisterfeierlichkeiten kurz vor der Abreise in die Schweiz am Montag noch zum Team stoßen.
Für Seider wäre der WM-Trip die Chance, eine persönlich starke, am Ende aber enttäuschende Saison doch noch versöhnlich abzuschließen. Denn der Weltklasseverteidiger verbuchte nicht nur mit zehn Toren und 50 Vorlagen seine statistisch beste Spielzeit in der NHL, er überzeugte auch als "Alleskönner im Zwei-Wege-Spiel", wie Statistik-Guru Dom Luszczyszyn vom Portal The Athletic schwärmte, und als "Hochleistungsmotor" (Teamkollege Patrick Kane), der inzwischen 410 Spiele am Stück seit seinem Ligadebüt bestritten hat.
Doch zur Playoff-Teilnahme reichte es wieder nicht. Er sei zum ersten Mal am Saisonende "schon ziemlich leer" gewesen, gab Seider nach der erneuten Enttäuschung zu. Deshalb würde er gerne am Sonntag in Mannheim auf dem Eis stehen - dort, wo er seine Karriere begann, wo er vor sieben Jahren sein erstes A-Länderspiel bestritt, nachdem er an selber Stelle wenige Tage zuvor mit den Adlern deutscher Meister geworden war. "Es wäre", sagte Seider, "ein Full-Circle-Moment." Und nach vielen Absagen eine positive Nachricht für den Bundestrainer.
