Anaheim Ducks 4:3 (OT) Edmonton Oilers
Die Kanadier verloren Spiel vier bei den Anaheim Ducks mit 3:4 nach Verlängerung und liegen in der Best-of-Seven-Serie nun fast aussichtslos mit 1:3 zurück. Der entscheidende Treffer für Anaheim durch Ryan Poehling fiel in der dritten Minute der Overtime. Der Puck rutschte Goalie Tristan Jarry zwischen den Schonern hindurch und überquerte die Torlinie nur um eine Winzigkeit. Das Tor wurde erst nach eingehendem Videostudium und unter großem Jubel der Heimfans anerkannt.
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Dabei hatte Edmonton zunächst den besseren Start erwischt. Kasperi Kapanen und Ryan Nugent-Hopkins sorgten mit ihren Treffern im ersten Drittel für eine verdiente Führung der Gäste. Doch Anaheim schlug im zweiten Abschnitt eiskalt zurück: Cutter Gauthier und Mikael Granlund nutzten jeweils Überzahlsituationen, um den Spielstand auszugleichen. Beim 1:2 saß der gebürtige Erdinger Joshua Samanski wegen Beinstellens draußen.
Im Schlussdrittel brachte Evan Bouchard die Oilers zwar erneut in Führung, doch Jeffrey Viel rettete die Ducks knapp sechs Minuten vor dem Ende in die Verlängerung.
Dass es überhaupt so weit kam, verdankten die Kalifornier auch ihrem Schlussmann Lukas Dostal. In einer dramatischen Schlussphase verhinderte er mit einem spektakulären Spagat-Save gegen den heranstürmenden Connor McDavid den drohenden Rückstand. Während die Ducks nun vom Einzug in die nächste Runde träumen, müssen die zweifachen Western-Conference-Champions aus Edmonton schleunigst eine Lösung finden, um das vorzeitige Saison-Aus noch abzuwenden.
Los Angeles Kings 1:5 Colorado Avalanche
Die Colorado Avalanche haben die Los Angeles Kings mit einem deutlichen 5:1-Sieg im vierten Spiel der Serie direkt in den Urlaub geschickt. In der Crypto.com Arena demonstrierte der Favorit aus Denver eindrucksvoll, warum er als die Nummer 1 der Western Conference in die Playoffs gestartet ist. Bei Nathan MacKinnon, der in den ersten drei Partien ungewohnt torlos blieb, platzte pünktlich zum entscheidenden Moment der Knoten: Mit zwei Treffern und einer Vorlage führte er sein Team fast im Alleingang zum "Sweep".
Doch die sportliche Dominanz der Avalanche wurde von einem hochemotionalen Ereignis fast in den Schatten gestellt. Anze Kopitar, die lebende Legende der Kings, bestritt das letzte Spiel seiner glanzvollen 20-jährigen Karriere. Der 38-jährige Slowene, der L.A. zu zwei Stanley Cups führte und als Franchise-Rekordhalter bei den Punkten in die Geschichte eingeht, verließ unter Standing Ovations das Eis. Ein "Throwback-Spieler", wie ihn Interimscoach D.J. Smith nannte, der bis zum Schluss durch Klasse und Bescheidenheit bestach, nun aber die Schlittschuhe an den Nagel hängt.
Spielerisch ließ Colorado von Beginn an keine Zweifel aufkommen. Nach MacKinnons Powerplay-Tor im ersten Drittel erhöhte Verteidiger-Star Cale Makar im zweiten Abschnitt nach einem sehenswerten Solo auf 2:0. Zwar keimte bei den Kings kurz Hoffnung auf, als Joel Edmundson auf 2:1 verkürzte, doch die Defensive der Avalanche stand ansonsten wie ein Bollwerk. Nicolas Roy und Devon Toews schraubten das Ergebnis im Schlussdrittel in die Höhe, bevor MacKinnon mit einem Empty-Net-Goal den Endstand markierte. Scott Wedgewood im Tor der Avalanche lieferte zudem mit 24 Paraden eine bärenstarke Leistung ab.
Während die Kings nun mit acht Playoff-Niederlagen in Folge in eine ungewisse Zukunft ohne ihren Kapitän Kopitar blicken, kann sich Colorado entspannt zurücklehnen. Dank des schnellen Weiterkommens haben sie nun wertvolle Zeit, um Wunden zu lecken und auf ihren nächsten Gegner zu warten. Dieser wird entweder Minnesota oder Dallas heißen.
Montreal Canadiens 2:3 Tampa Bay Lightning
In Montreal herrschte am Sonntagabend zunächst Ekstase, die am Ende in bitterer Enttäuschung umschlug. Die Canadiens sahen im vierten Spiel gegen die Tampa Bay Lightning lange Zeit wie der sichere Sieger aus und schnupperten an einer komfortablen Serienführung. Zachary Bolduc mit einem kuriosen Einhand-Treffer und Scharfschütze Cole Caufield im Powerplay brachten die "Habs" im zweiten Drittel mit 2:0 in Front. Das Bell Centre bebte, und die Lightning schienen nach den vorangegangenen Overtime-Krimis mit dem Rücken zur Wand zu stehen.
Doch wer Tampa Bay in den letzten Jahren beobachtet hat, weiß: Diese Mannschaft darf man niemals abschreiben. Kurz vor Ende des zweiten Drittels gelang Neuzugang Jake Guentzel bei 4-gegen-4 der psychologisch wichtige Anschlusstreffer zum 2:1. Es war der Funke, der das Comeback-Feuer der Gäste entfachte. Tampa kam wie verwandelt aus der Kabine, während Montreal im Schlussabschnitt dem hohen Tempo der ersten 40 Minuten Tribut zollen musste.
Der Mann der Stunde im dritten Drittel hieß Brandon Hagel. Zunächst nutzte er ein präzises Zuspiel von Vorlagenkönig Nikita Kucherov zum Ausgleich im Powerplay. Doch Hagel hatte noch nicht genug: Nachdem Montreal eine brenzlige Unterzahlsituation gegen zwei Mann eigentlich schon überstanden hatte, fälschte er wenig später erneut einen Schuss von Kucherov unhaltbar zum 3:2 ab. Innerhalb weniger Minuten hatte Tampa das Spiel gedreht und die ohrenbetäubende Kulisse in Montreal verstummen lassen.
Durch diesen Kraftakt gleicht Tampa Bay die Serie zum 2:2 aus und holt sich den Heimvorteil zurück. Nachdem die ersten drei Partien alle erst in der Verlängerung entschieden wurden, war dies das erste Spiel, das innerhalb der regulären 60 Minuten einen Sieger fand – auch wenn es bis zum Schluss eine enge Kiste blieb. Am Mittwoch geht es in Tampa weiter.
Boston Bruins 1:6 Buffalo Sabres
Was für eine Machtdemonstration der Buffalo Sabres! Während man in Boston eigentlich auf eine Trotzreaktion der Bruins gehofft hatte, lieferten die Gäste aus Upstate New York ein erstes Drittel in Form einer Lehrstunde ab. Mit einem furiosen 4:0-Sturmlauf in den ersten 20 Minuten zogen die Sabres den Bruins nicht nur den Stecker, sondern bauten auch eine psychologische Mauer auf, die für das Team vom ehemaligen Bundestrainer Marco Sturm an diesem Abend unüberwindbar blieb.
Besonders das Duo Josh Doan und Alex Tuch sprühte nur so vor Spielfreude und verbuchte jeweils ein Tor und eine Vorlage. Während Peyton Krebs den Torreigen bereits nach vier Minuten eröffnete, zeigten die Sabres eine Tiefe im Kader, die Boston sichtlich überforderte. Verteidiger Bowen Byram unterstrich seine aktuelle Topform mit seinem dritten Treffer im dritten Spiel – ein Luxusproblem für Buffalo, wenn selbst die Defensive derart treffsicher agiert. Am Ende stand ein sattes 6:1 auf der Anzeigetafel, das die Verhältnisse in dieser Serie klarmacht.
Auf der Gegenseite herrschte nach dem Spiel pure Ernüchterung. Bruins-Coach Sturm nahm kein Blatt vor den Mund und bezeichnete den Auftritt seiner Mannschaft schlichtweg als "peinlich". Wenn der eigene Torhüter Jeremy Swayman nach sechs Gegentreffern vorzeitig vom Eis muss und Star-Stürmer David Pastrňák im gesamten bisherigen Serienverlauf erst ein einziges Mal knipsen konnte, brennt die Hütte in Boston lichterloh. Zu allem Überfluss verlor man auch noch Viktor Arvidsson durch eine Oberkörperverletzung.
Mit einer komfortablen 3:1-Serienführung im Rücken kehren die Sabres nun am Dienstag in das heimische KeyBank Center zurück. Dort haben sie die Chance, den ersten Einzug in die zweite Playoff-Runde seit der Saison 2006/07 perfekt zu machen. Lindy Ruff warnte zwar bereits vor der "höchsten Verzweiflungsstufe" der Bruins im nächsten Spiel, doch wenn Alex Lyon weiterhin so sicher zwischen den Pfosten steht – er ist erst der fünfte Goalie der Franchise-Geschichte, der seine ersten beiden Playoff-Starts gewinnen konnte – sieht es für die Sabres verdammt gut aus.
