Motivator, Mutmacher, Moderator: Alfred Gislason ist dieser Tage in vielen Rollen gefragt, der Bundestrainer steht in der letzten Länderspielwoche des Jahres vor einem kniffeligen Spagat. Zum einen sind für Deutschlands Handballer beim Start in die EM-Qualifikation zwei Siege Pflicht. Zum anderen kreisen die Gedanken trotz einiger Nebengeräusche längst um die Medaillenmission bei der Heim-WM.
"Wir wollen Spiele gewinnen, das ist auch das Ziel der Woche mit den Spielen gegen Belgien und die Slowakei", sagte Gislason vor dem Lehrgangsauftakt am Montag in Berlin. Trotzdem werde man in den Partien am Donnerstag in der Hauptstadt (20.30 Uhr/ProSieben und Dyn) und am Sonntag im slowakischen Presov (18 Uhr/ARD) "auch an der Festigung unserer taktischen Abläufe mit Blick auf den Januar arbeiten".
Personalie Golla im Gespräch
Das mit dem Fokus dürfte diesmal gar nicht so einfach sein, im deutschen Handball ist kurz vor dem Saison-Höhepunkt allerhand los. Im Hintergrund schwelt noch immer das Wechsel-Theater um Kapitän Johannes Golla, Sorgen bereitet die neue Verletzung von Spielmacher Nils Lichtlein. Und auch um Torhüter Andreas Wolff gibt es öffentliche Aufregung.
Zunächst zur Personalie Golla. Der Kreisläufer der MT Melsungen gilt bei Gislason zwar weiterhin als unangefochtener Anführer, der Wechselwunsch Gollas aus familiären Gründen und wegen seiner "gefährdeten mentalen Gesundheit" zurück nach Flensburg steht aber weiterhin im Raum. Über allem schwebt die Frage, wie sehr ihn das Thema unterm Brennglas der Öffentlichkeit auch im DHB-Dress belastet.
Bei Lichtlein, der sich in der vergangenen Woche mit einer Schulterverletzung abmeldete, wird der Einsatz bei der Heim-WM zum Wettlauf gegen die Zeit. Der Berliner, der im deutschen Spiel als potenzieller X-Faktor und Super-Joker gilt, hat in dieser Saison aufgrund einer Fußverletzung bislang kaum gespielt, sein erneutes Comeback wird nun Mitte Dezember erwartet.
"Maximale Konsequenz"
"Nach heutiger Kenntnis ist die Teilnahme an der WM nicht ausgeschlossen, dies ist unter den Umständen die gute Nachricht", sagte Nationalmannschaftsmanager Benjamin Chatton, als die Nachricht beim DHB auflief. Gislason wird den aktuellen Lehrgang dennoch auch dafür nutzen (müssen), um Alternativen einzustudieren.
Für weiteren Wirbel sorgen in dieser Gemengelage die Schlagzeilen um Wolff. Der Weltklasse-Keeper, so berichtete die Bild-Zeitung, wolle den THW Kiel noch vor Vertragsende verlassen. Ein Interessent soll der VfL Gummersbach sein, dessen Geschäftsführer Christoph Schindler nun am Dyn-Mikrofon die Gerüchte öffentlich kommentierte.
Ganz schön viel los also für Gislason, der fast nebenbei noch zwei andere Kader-Baustellen zu schließen hat. Auf den zwei noch vakanten Positionen auf Linksaußen und Rückraum rechts dürfen in dieser Woche mit David Móré (ThSV Eisenach) und Niklas Theiß (HSG Wetzlar) zwei Debütanten vorspielen. Gislason wird ganz genau hinsehen, sind es doch die beiden letzten Länderspiele vor der WM-Kaderbekanntgabe.
"Natürlich ist unsere Arbeit auf die WM ausgerichtet", sagte DHB-Sportvorstand Ingo Meckes und forderte "maximale Konsequenz". Mit Blick auf die Zeit nach der WM sei es allerdings auch "wichtig, dass wir mit zwei Erfolgen in die EM-Qualifikation starten".
