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"Pauleta mir sagte, Ronaldo wird ein Großer“: Ex-PSG-Profi Rozehnal im Interview

David Rozehnal bei der Premiere des Dokumentarfilms über Sigma Olomouc
David Rozehnal bei der Premiere des Dokumentarfilms über Sigma OlomoucStanislav Heloňa / MFDNES + LN / Profimedia

David Rozehnal blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück: 15 Jahre im Ausland, Stationen von Paris bis Rom, sechs Titel sowie Highlights in der Champions League und bei Weltmeisterschaften. Seine Fußballschuhe hat der großgewachsene Innenverteidiger mit 46 Jahren jedoch noch nicht an den Nagel gehängt: Topfit läuft er nach wie vor für seinen Heimatverein Kožušany auf.

Sie haben kürzlich die tschechische U20-Nationalmannschaft als Schirmherr zu einem Turnier in Portugal begleitet. Kamen bei der Reise nicht Erinnerungen an die legendäre EM 2004 hoch, als Sie Bronze holten?

Auch wenn wir in einem anderen Stadion gespielt haben: Natürlich kommen da Erinnerungen hoch – und zwar wunderschöne. Es war mein erstes großes Turnier. Im Vorfeld wurde in den Medien ausgiebig diskutiert, ob ich überhaupt mitfahren würde, die Chancen galten nicht gerade als hoch.

Am Ende standen Sie sogar im epischen Gruppenspiel gegen die Niederlande auf dem Platz.

Erstaunlicherweise durfte ich mitspielen und hatte sogar eine Torchance. Auch wenn ich kein Stammspieler war, durfte ich Teil einer fantastischen Mannschaft sein und von den Besten lernen. Das war eine unbezahlbare Erfahrung.

Schmerzt das Halbfinal-Aus gegen Griechenland eigentlich immer noch?

Ja, das tut nach wie vor weh. Wir hätten mindestens ins Finale einziehen müssen. Unter Karel Brückner haben wir großartigen Fußball gespielt – konstruktiv, mutig und mit starkem Pressing. Hätten wir dieses eine Spiel gewonnen, wäre sogar der Titel drin gewesen.

Das war eine goldene Generation: Čech, Ujfaluši, Jankulovski, Poborský, Rosický, Šmicer, Baroš, Koller. Lauter große Persönlichkeiten. Werden jemals wieder solche Top-Spieler nachwachsen?

Ehrlich gesagt hinken wir aktuell hinterher, aber das Potenzial ist da. Einige Spieler, die in der U16 herausragten, sind heute nicht mehr dabei – das ist eine ganz normale Entwicklung. Wenn wir die Dinge richtig anpacken, den europäischen Weg einschlagen und nicht stur an eigenen Konzepten festhalten, weil wir glauben, alles am besten zu wissen, kann es wieder bergauf gehen. Denn seien wir ehrlich: Wir wissen es nicht am besten. Es gibt weltweit bessere Trainer. Damit will ich niemanden kränken, aber wir müssen bereit sein, von den Besten zu lernen.

David Rozehnal und Pavel Nedvěd bei der Europameisterschaft 2004.
David Rozehnal und Pavel Nedvěd bei der Europameisterschaft 2004.FRANCK FIFE / AFP / AFP / Profimedia

Sie haben in Ihrer Karriere einige der ganz großen Spieler erlebt.

Ganz genau – denken Sie an Pedro Pauleta bei PSG oder Olda Machala bei Sigma. Wie Olda als Innenverteidiger nach vorne gestoßen ist, war phänomenal; das habe ich mir von ihm abgeschaut. Pavel Hapal war als Führungsspieler anspruchsvoll und streng, konnte die Mannschaft aber gleichzeitig mitreißen und stützen. Ein echter Anführer, der niemanden herablassend behandelt hat. Genauso wie wir in der Nationalmannschaft Pavel Nedvěd gefolgt sind, sind wir bei Sigma Pavel Hapal gefolgt. Beide besaßen diese ganz besondere Aura.

Ihrer internationalen Karriere verhalf vor allem der Gewinn der U21-Europameisterschaft zum Durchbruch. Gab es damals neben dem FC Brügge noch andere Optionen?

Es gab lose Gespräche mit Sparta Prag. Doch bevor ich Familie hatte, habe ich mich ehrlich gesagt kaum für Verträge oder Geld interessiert.

Sie wollten einfach nur Fußball spielen.

Ganz genau. Während die Teamkollegen über neue Verträge verhandelten, war es mir fast unangenehm, zur Klubführung zu gehen und nach mehr Geld zu fragen. Marek Špilár war ein Jahr vor mir von Olomouc nach Brügge gewechselt und erzählte mir, dass der Klub mich schon länger beobachtete.

In Belgien ging dann plötzlich alles ganz schnell: Champions League, Duelle gegen den AC Mailand. Auf einmal hießen Ihre Gegenspieler Shevchenko, Inzaghi oder Kaká.

Und das genau vor der EM 2004! Damals schrieben die Medien, meine Chancen auf eine Nominierung stünden eher schlecht – es sei denn, wir würden uns mit Brügge für die Champions League qualifizieren. Das schafften wir dann ausgerechnet gegen Borussia Dortmund. Und plötzlich hieß es im San Siro: Du spielst gegen Schewtschenko. Wir haben in Mailand sogar gewonnen. Es fügte sich einfach eins zum anderen.

Wie stellt man sich als junger Spieler auf solche Weltstars ein, wenn man wenige Jahre zuvor noch in der Dorfmannschaft von Kožušany auflief?

In Brügge war das für mich eine völlig neue Welt. Damals gab es noch nicht diese akribischen Videoanalysen wie heute. Ich habe mir einfach gemerkt, wer mein direkter Gegenspieler am Wochenende ist. Nach dem Schlusspfiff habe ich das Spiel abgehakt – egal ob Sieg oder Niederlage – und mich auf die nächste Aufgabe konzentriert.

Eine gesunde Einstellung.

Vielleicht war es unbedarft, aber ich habe mich schlicht nicht verrückt machen lassen, wenn es gegen Stars ging. Vor meiner ersten Saison in Brügge absolvierten wir ein Vorbereitungsspiel, das ich für einen ganz normalen Test hielt. Wir gewannen, und plötzlich bekamen wir einen Pokal überreicht – es war der belgische Supercup! (lacht)

Ich bin völlig unbeschwert in diese Partie gegangen. Als ich später Pokalfinals in Frankreich oder Italien spielte, war die Anspannung natürlich eine andere. Aber was ich damit sagen will: Ich hatte damals einen freien Kopf. Ich wusste, was ich kann, und sagte mir einfach: "Geh raus und mach Zlatan Ibrahimović das Leben so schwer wie möglich!"

Nach dem Meistertitel mit Brügge folgte der Wechsel zu Paris Saint-Germain.

Damals gab es auch Kontakt zu Borussia Dortmund, aber ich habe mich für PSG entschieden – was goldrichtig war. Auf einmal stand ich im Prinzenpark. Das war noch einmal ein anderes Kaliber. Sportlich war die Zeit in Paris vielleicht die beste meiner Karriere. Bis auf eine Gelbsperre habe ich praktisch jedes Spiel absolviert. Ich fühlte mich unantastbar.

Zur WM 2006 reiste ich mit rund 60 Pflichtspielen in den Knochen an, fühlte mich aber dank des Vertrauens der Trainer und Fans großartig. In der zweiten Saison spielte ich dann im defensiven Mittelfeld, was mir enormen Spaß gemacht hat. Ich denke sehr gerne an Paris zurück.

War der Übergang von Brügge nach Paris spielerisch ein großer Kulturschock?

Nein, Brügge hatte mich körperlich bereits auf ein neues Level gehoben. Nach den ersten Trainingseinheiten in Belgien hing ich gefühlt am Tropf – nicht wegen reiner Konditionseinheiten, sondern wegen der enormen Trainingsintensität! In Olomouc wurde unter Trainern der alten Schule wie Uličný oder Kalvoda zwar hart gearbeitet, aber die Aggressivität in den Zweikämpfen war in Belgien eine ganz andere. Auf jeder Position hatte man drei Konkurrenten im Nacken.

Bei PSG standen dann nur noch Nationalspieler auf dem Platz: Sylvain Armand, Pedro Pauleta, Vikash Dhorasoo, Jérôme Rothen. Mein Partner in der Innenverteidigung war Mario Yepes, eine absolute Säule der kolumbianischen Nationalmannschaft. Wir haben uns auf Anhieb blendend verstanden.

Wie war die Atmosphäre rund um PSG damals – noch vor dem Einstieg der Investoren aus Katar?

Es war ein anderes Paris. Etwas ruhiger, weniger durchgestylt. Das Duell zwischen Paris und Marseille war das absolute Highlight im französischen Fußball, 'Le Classique'. Im Prinzenpark gab es zwei Fanblöcke, die sich gegenseitig anfeuerte – die Stimmung war phänomenal. Auch das Umfeld im Verein war sehr familiär.

Legendär ist die Geschichte, wie Sie Ihren alten VW Golf auf dem Spielerparkplatz direkt neben den Ferrari von Jérôme Rothen stellten.

Das war amüsant! Am Stadiontor schüttelten die Ordner nur den Kopf und fragten sich, wer da ankommt. Sie wollten mich erst gar nicht aufs Gelände lassen.

Da kommt der millionenschwere Neuzugang für die Abwehr – und fährt im bodenständigen Golf vor.

Das Universum hat da wohl seinen eigenen Humor. Aber genau wegen dieser Bodenständigkeit kam ich mit den Mitspielern schnell auf eine Wellenlänge.

Den einen oder anderen Spruch mussten Sie sich in der Kabine aber sicher anhören?

Das ging schon in Olomouc los! Da bin ich auch mit dem Golf zum Mannschaftsabend gefahren, habe alkoholfreies Bier getrunken und danach alle nach Hause gefahren. Ich hatte immer mein Ziel vor Augen und wusste, was ich wollte. Das gebe ich auch der heutigen Generation mit: Setzt euch ein Ziel und bleibt dran, auch wenn es mal schwierig wird.

Sie wirken extrem authentisch. Sie mussten sich nie für die Fußballblase verstellen.

Jérôme Rothen war ein Profi durch und durch. Heute haut er in seinen Podcasts ordentlich auf den Putz, aber auf dem Platz hatte er einen begnadeten linken Fuß. Er hat den Fußball und das Drumherum voll ausgekostet. Aber er ist im Herzen ein guter Kerl, mit dem man sich ganz normal unterhalten konnte. Überhaupt waren die meisten Mitspieler bei PSG extrem zugänglich. Pedro Pauleta erzählte mir beispielsweise in der Sauna von einem gewissen jungen Portugiesen namens Cristiano Ronaldo, der gerade im Nationalteam debütierte.

Was hat Pauleta über ihn erzählt?

Er meinte nur ganz trocken: „Der Junge wird ein Ganz Großer.“ Wie recht er hatte, merkte ich spätestens, als ich wenig später mit Newcastle gegen Manchester United spielte und Ronaldo auf dem Flügel an mir vorbeizischte wie auf einem Motorrad! Da wurden Pauletas Worte schlagartig wieder präsent. Ronaldo ist zu einer der größten Figuren der Sportgeschichte geworden.

Wer hat Ihnen den Einstieg in Paris am meisten erleichtert?

Sylvain Armand und Mario Yepes. Die beiden waren absolute Familienmenschen, wir haben uns auf Anhieb verstanden – obwohl meine Frau und ich damals noch keine Kinder hatten. Wenn wir uns heute zum Abendessen treffen würden, wäre es sofort wieder wie früher. Solche Freundschaften bleiben.

David Rozehnal, Sylvain Armand, Jérôme Rothen und Édouard Cissé feiern ein Tor gegen Monaco.
David Rozehnal, Sylvain Armand, Jérôme Rothen und Édouard Cissé feiern ein Tor gegen Monaco.MARTIN BUREAU / AFP / AFP / Profimedia

Was konnten Sie von diesen Spielern lernen?

Von Mario habe ich diese kompromisslose Entschlossenheit bei Standardsituationen gelernt. Und Vikash Dhorasoo war am Ball schlicht genial – ein kleiner Wirbelwind, dem man den Ball einfach nicht abnehmen konnte.

Mit PSG haben Sie im Stade de France das Pokalfinale gegen den Erzrivalen Olympique Marseille gewonnen. Welche Erinnerungen haben Sie an diesen Tag?

Ehrlich gesagt gar nicht so viele detaillierte. Die prägenden Bilder bleiben im Kopf, aber ich war nach Siegen schon immer jemand, der sich eher still gefreut hat. Oft habe ich noch am selben Abend darüber nachgedacht, wann ich am nächsten Tag laufen gehe. Manche Freunde meinten damals, ich hätte solche Erfolge intensiver genießen müssen.

Hätten Sie das rückblickend tun sollen?

Vielleicht war genau diese pragmatische Einstellung der Grund, warum ich bis zu meinem 37. Lebensjahr auf hohem Niveau spielen konnte. Die Atmosphäre im Pokalfinale war natürlich fantastisch. Aber besonders eingebrannt hat sich mein erstes Auswärtsspiel im alten Stadion von Marseille: Ich wusste überhaupt nicht, was mich erwartet.

Vor dem Aufwärmen blieben die Mitspieler alle im Spielertunnel stehen und wollten nicht auf den Rasen. Ich dachte mir nichts dabei, ging als Erster raus – und plötzlich entlud sich ein Orkan aus Pfeifkonzerten, Münzen und fliegenden Schrauben! Ich dachte nur: "Ihr Schlitzohren, warum habt ihr mich nicht gewarnt? Willkommen in der Realität!" Das war Abstiegskampf und Rivalität pur – auf und neben dem Platz.

Besonders in Ihrer zweiten Saison bei PSG, als der Klub tief im Abstiegskampf steckte und am Ende nur Tabellenfünfzehnter wurde.

Es lief sportlich einfach nicht rund. Der neue Trainer Guy Lacombe stellte mich überraschend im defensiven Mittelfeld auf. Ich war zwar verwundert, habe die Rolle aber sehr gerne ausgefüllt, weil ich viele Ballkontakte hatte. Den Klassenerhalt sicherten wir erst vier Spieltage vor Schluss – so weit unten stand PSG seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Druck auf den Verein war enorm.

Hat Sie dieser Druck belastet?

Ich habe mir schon in Olomouc angewöhnt, keine Zeitungen zu lesen. Während die Kollegen in der Kabine saßen und ihre Noten diskutierten, hielt ich Abstand. Medien müssen nun mal berichten. Nach Spielen der Nationalmannschaft wurden Honza Polák, Mara Heinz und ich in den Medien oft als Sündenböcke hingestellt. Boulevardgeschichten haben mich nie interessiert. Und in Paris verstand ich am Anfang zum Glück noch nicht genug Französisch, um L’Équipe lesen zu können! (lacht)

Kann man diesen Druck in einer Metropole wie Paris überhaupt komplett ausblenden?

Nicht immer. Nach einem Pokalspiel kam es einst am Rande des Stadions zu einem tragischen Zwischenfall, bei dem die Polizei einen PSG-Fan in Notwehr erschoss. Am nächsten Tag belagerten wütende Hooligans das Trainingsgelände. Das ging an keinem spurlos vorbei. Mir wurde damals schlagartig klar, dass man als Profifußballer in der Öffentlichkeit steht und das eigene Spiel Auswirkungen auf die Stimmung in einer ganzen Stadt hat. Am Ende haben wir die Saison mit dem Pokalsieg gerettet. Platz 15 ohne Titel wäre für einen Klub wie PSG ein Desaster gewesen.

Am Ende jener Saison wurden Sie zum PSG-Spieler des Jahres gewählt.

Dass ich offiziell dazu gewählt wurde, habe ich damals ehrlich gesagt gar nicht richtig mitbekommen. Eine Trophäe habe ich dafür nie überreicht bekommen – vielleicht sollte ich mich mal in Paris melden! (lacht) Nach der Saison bin ich in den Urlaub gefahren und danach direkt nach Newcastle gewechselt. Rückblickend bedauere ich es etwas, Paris so schnell verlassen zu haben. Ich habe mich im Verein und in der Stadt extrem wohlgefühlt.

In Newcastle lief es für Sie nicht optimal, während PSG Jahre später zu einem globalen Schwergewicht aufstieg. Bereuen Sie den Schritt in die Premier League?

Ich habe bereut, ein intaktes Umfeld und fantastische Fans verlassen zu haben. Alle in meinem Umfeld sagten mir damals, Newcastle sei die perfekte Chance. Aber mein Bauchgefühl hat gefehlt. Meine Frau Peťka hat mich gelehrt, dass man immer auf seine erste Intuition hören sollte.

Damals haben Sie nicht auf Ihr Gefühl gehört?

Der FC Sevilla war ebenfalls sehr interessiert, wollte aber erst das UEFA-Cup-Finale abwarten. Newcastle und die Berater machten Druck, und ich habe nachgegeben. Ich verließ einen Ort, an dem ich glücklich war, für eine Entscheidung, die andere für richtig hielten. Damals war die Premier League – abgesehen von den Top 3 – noch extrem physisch geprägt, viel langes Holz und Härte. Das habe ich nach sieben Monaten eingesehen und bin weitergezogen.

Wie beurteilen Sie das heutige PSG unter Trainer Luis Enrique?

Das Spiel gefällt mir ausgesprochen gut. Ich würde mir unheimlich gerne mal das neue, hochmoderne Trainingszentrum ansehen. Der Zeugwart Nacerdine Sekai, den alle nur "Didi" nennen, ist immer noch da – eine Seele von Mensch. Ich habe mich riesig für ihn gefreut, als er den Sieg in der Champions League mitgefeiert hat.

Als die neuen Eigentümer vor Jahren übernahmen, haben wir sie mit Lille noch geschlagen – obwohl sie damals schon Stars wie Cavani, Ibrahimović oder Lavezzi im Kader hatten. Doch nachhaltiger Erfolg braucht Zeit. Nach zwei Eingewöhnungsjahren fingen sie an, die Titel am Fließband zu holen.

Ich verfolge PSG nach wie vor intensiv, das bleibt eine Herzensangelegenheit. Luis Enrique hat Struktur und Spielkultur reingebracht. Das ist hochattraktiver Fußball.

Was zeichnete den LOSC Lille aus, als Sie 2011 überraschend das französische Double holten?

Die familiäre Atmosphäre im gesamten Klub. Wir hatten eine tolle Truppe mit enormer Qualität auf allen Positionen.

Und einen überragenden Eden Hazard.

Eden startete damals gerade so richtig durch. Und dann war da noch Gervinho. Der Teamgeist war herausragend, wir haben viele Spiele nach Rückständen gedreht. Wir waren in einem regelrechten Rausch und machten den Titel bereits mehrere Spieltage vor Schluss perfekt.

Rozehnal spielte in Lille an der Seite von Eden Hazard und Joe Cole.
Rozehnal spielte in Lille an der Seite von Eden Hazard und Joe Cole.Korotayev Artyom / TASS / Profimedia

Haben Sie damals in der Sauna auch jemandem erzählt, dass Hazard ein Weltstar werden würde?

Das war bereits nach seinem ersten Profijahr klar. Er besaß eine erfrischende Mentalität, war völlig bodenständig und ließ sich den Hype um seine Person nie anmerken. Auch wenn er im Training manchmal ein kleines bisschen faul war – das darfst du ihm ausrichten! (lacht) Ich schätze ihn menschlich unheimlich. Er war schlicht ein Unterschiedsspieler.

Drückt man da als Abwehrspieler im Training mal ein Auge zu, wenn er am Wochenende das Spiel entscheidet?

Im Training war er natürlich trotzdem klasse, aber ich musste ihn oft bewachen. Vielleicht fiel mir seine Bequemlichkeit im Training auf, weil ich selbst immer 100 Prozent gegeben habe und er manchmal mit 80 Prozent auskam!

Welche Rolle spielte Trainer Rudi Garcia beim Erfolg in Lille?

Rudi Garcia war in der Kommunikation mit den Spielern speziell. Er war zweifellos ein Fachmann, die Mannschaft stand hinter ihm. Aber manche seiner Personalentscheidungen waren schwer nachvollziehbar – nicht nur mir gegenüber. Manchmal deutete er an, dass man spielt, und saß dann doch nur auf der Bank. Er lobte dich unter der Woche und ließ dich am Spieltag draußen. Mir wäre ein klarer Wortschatz lieber gewesen: "David, du bist derzeit Innenverteidiger Nummer drei."

Trotzdem blieben Sie fünf Jahre in Lille – bei keinem Auslandsklub waren Sie länger.

Der Klub wusste meine Erfahrung und Zuverlässigkeit auch als Ergänzungsspieler zu schätzen. Ich war im fortgeschrittenen Fußballalter, meine Familie hatte sich eingelebt, und wir hatten viele Freunde gefunden. Wann immer der Verein verlängern wollte, habe ich unterschrieben. Ich kam jede Saison auf meine 20 bis 25 Pflichtspiele.

Wie hat Ihnen das Leben in Nordfrankreich gefallen?

Sehr gut! Die Menschen im Norden sind unheimlich herzlich und offen – bodenständiger als im Großraum Paris. Auch wenn das Wetter im Winter natürlich nicht mit der Côte d’Azur vergleichbar ist.

Wie sieht Ihr Leben nach der Profikarriere aus? Familie, Amateurfußball in Kožušany und die Verwaltung Ihrer Immobilieninvestments?

Das trifft es auf den Punkt. In schwierigen Phasen meiner Karriere, als die Einsatzzeiten weniger wurden und das Alter spürbar war, habe ich mich bereits auf die Zeit nach dem Profisport gefreut: zurück nach Tschechien, Zeit für die Familie und entspannter Dorf-Fußball. Genau das lebe ich jetzt.

Meine Frau und ich haben vorausschauend investiert und verwalten unsere Immobilien. Ich bin in der glücklichen Lage, nicht mehr arbeiten zu müssen. Ich genieße die Zeit mit den Kindern: Mein Sohn Luka spielt Fußball in Zábřeh, meine Tochter Beátka spielt Basketball. Zudem engagiere ich mich als Schirmherr für das Hilfsprojekt "Děti dětem" (Kinder für Kinder).

Über die Donio-Plattform sammeln wir Spenden für das Projekt "Sizilien für behinderte Kinder". Ziel ist es, Häuser im sizilianischen Mussomeli zu erwerben, um Familien mit behinderten Kindern kostenlose Erholungsaufenthalte zu ermöglichen.

Geben Sie damit auch Ihrer Frau etwas zurück, die Ihnen während der 15 Jahre im Ausland den Rücken freigehalten hat?

Meine Frau ist ein absoluter Engel. Alles, was ich in meiner Karriere erreicht habe, verdanke ich zu einem großen Teil ihr. Sie hat den Haushalt geschmissen, den Kindern ein liebevolles Zuhause geschaffen und eigene Wünsche oft hintenangestellt. Dafür bin ich ihr unendlich dankbar. Ich versuche heute, ihr so viel wie möglich zurückzugeben – auch wenn da immer noch der Dorf-Fußball ist...

...der Sonntagsausflüge manchmal durchkreuzt.

Sie neckt mich manchmal und fragt, warum wir wegen dieser "Pralesní liga" (unterste Spielklasse/„Waldliga“) auf Ausflüge verzichten müssen. Aber es ist nun mal meine Passion. Mich ärgert es eher, wenn junge Spieler heute Ausreden suchen, um dem Training oder den Spielen fernzubleiben.

Was raten Sie jungen Sportlern aus der Erfahrung eines Profis, der sechs Titel in europäischen Top-Ligen gewonnen hat?

Sie müssen für sich herausfinden, ob sie den Sport von ganzem Herzen lieben. Das gilt im Grunde für jeden Beruf: Von nichts kommt nichts. Erfolg fällt niemandem in den Schoß. Das Wichtigste ist jedoch, ein anständiger Mensch zu bleiben. Ich würde heute nicht hier sitzen und mich so offen mit Ihnen unterhalten, wenn ich Sie nicht als feinen Menschen schätzen würde.

Vielen Dank, das weiß ich sehr zu schätzen.

So denke ich nun mal. Ich möchte ehrliche Menschen um mich haben, die einem nicht in den Rücken fallen. Man braucht klare Ziele und die Geduld, sie zu verfolgen. Man darf Hindernissen nicht ausweichen, um es sich leicht zu machen, sondern muss Probleme lösen. Und man darf die Schuld für Fehlschläge nicht bei anderen suchen – nicht beim Berater, den Eltern oder dem Trainer.

Tun Sie das, was Ihnen Freude bereitet. Ich hatte das große Glück, mein Hobby zum Beruf zu machen. Aber selbst wenn es mit dem Profifußball nicht geklappt hätte, würde ich heute etwas tun, das mich erfüllt – und zwar mit 100 Prozent Einsatz.

Geben Sie diese Werte auch Ihren Kindern mit?

Als Vater weiß ich, dass man Kinder anleiten und ihnen seine Erfahrungen weitergeben kann. Am Ende muss man sie aber ihren eigenen Weg gehen lassen. Sie sollen nicht aus Pflichtgefühl Entscheidungen treffen – so wie ich damals vielleicht nicht nach Newcastle hätte gehen sollen, weil mein Herz eher an Paris oder dem spanischen Fußball hing.

Es geht darum, eigene Erfahrungen zu sammeln und sich mit den richtigen Menschen zu umgeben. Wer ein anständiger Mensch ist, zieht auch anständige Menschen an, die einem beistehen, wenn es mal nicht rund läuft. Mir ist es heute tausendmal lieber, als guter Mensch in Erinnerung zu bleiben denn als ein Profifußballer, der eine schöne Karriere hatte.

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