Arsenal hat seine Offensive in den vergangenen Jahren kontinuierlich verstärkt – und dennoch scheint Mikel Arteta noch nicht vollständig zufrieden zu sein. Nach dem starken Saisonstart von Viktor Gyökeres soll der Klub weiterhin nach Möglichkeiten suchen, die Angriffskraft des Teams zu erhöhen.
Der schwedische Nationalspieler spielte eine solide erste Saison im Trikot der Gunners. Mit 14 Treffern in der Premier League erzielte Gyökeres mindestens sieben Tore mehr als jeder seiner Teamkollegen und war damit ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu Arsenals erstem englischen Meisterschaft seit 22 Jahren.

Wettbewerbsübergreifend kam der Stürmer auf 21 Tore. Damit gelang ihm die beste Debütsaison eines Arsenal-Spielers seit Alexis Sanchez in der Saison 2014/15. Nur Sanchez, Ian Wright und Thierry Henry hatten in ihrer ersten Spielzeit in Nordlondon häufiger getroffen.
Gyökeres-Gerüchte und Interesse an Vinicius Jr.
Trotz dieser Zahlen halten sich Spekulationen über einen möglichen Abschied von Gyökeres hartnäckig. Atlético Madrid wird als möglicher Abnehmer genannt. Ein Tauschgeschäft mit Julián Álvarez erscheint jedoch schwierig, nachdem die Verantwortlichen der Rojiblancos mehrfach betont haben, dass der Argentinier nicht zum Verkauf steht.
Parallel dazu soll Arsenal die Situation von Vinicius Junior bei Real Madrid genau beobachten. Mikel Arteta und das Management der Gunners prüfen demnach die Möglichkeit, den brasilianischen Flügelspieler ins Emirates Stadium zu lotsen.
Vinicius ist bei Real Madrid zwar nicht unumstritten, seine sportliche Bilanz spricht jedoch für sich. In 375 Einsätzen für die Königlichen kommt der Offensivspieler auf 128 Tore und 100 Vorlagen.
Real Madrid könnte Verkauf von Vini Jr. erwägen
Die Situation in Madrid ist kompliziert. Spanische Medien berichten, dass Real Madrid eine mögliche Ablöse von 160 Millionen Euro aufgerufen hat. Hintergrund soll der ausstehende Vertragsstatus des Brasilianers sein. Vinicius besitzt nur noch ein Jahr Vertrag. Sollte keine Einigung über eine Verlängerung erzielt werden, könnte der Spieler ab Januar mit anderen Vereinen verhandeln und im Sommer ablösefrei wechseln.
Für Real wäre dieses Szenario kaum akzeptabel. Der Klub kennt die Gefahr bereits aus eigener Erfahrung: Kylian Mbappé wechselte nach Ablauf seines Vertrags bei Paris Saint-Germain ablösefrei nach Madrid.
Auch die Saudi Pro League gilt seit längerer Zeit als möglicher Interessent. Ein Wechsel in den Nahen Osten erscheint bei einem Spieler wie Vinicius aktuell jedoch eher unwahrscheinlich. Arsenal könnte dagegen eine deutlich attraktivere Perspektive bieten.
Tempo, Kreativität und Unberechenbarkeit für Arsenal
Sportlich würde Vinicius genau jene Eigenschaften mitbringen, die Arsenal zuletzt teilweise gefehlt haben: Sein enormes Tempo und seine Fähigkeit, im Eins-gegen-eins Situationen zu entscheiden, machen ihn zu einem der gefährlichsten Flügelspieler der Welt.
In der vergangenen Saison führte der Brasilianer mit 35 erfolgreichen Tempogegenstößen die Statistik von Real Madrid deutlich an. Zudem traf er siebenmal das Aluminium – kein anderer Spieler der Königlichen hatte mehr Pech mit Abschlüssen.
Auch wenn Vinicius durch seine Emotionalität und manche Aktionen auf dem Platz regelmäßig Diskussionen auslöst, kann genau diese Mentalität für eine Mannschaft wertvoll sein. Sein Auftreten sorgt häufig für Energie und eine "Jetzt erst recht"-Reaktion innerhalb eines Teams.
Unter den Spielern, die sowohl unter Xabi Alonso als auch Álvaro Arbeloa regelmäßig zum Einsatz kamen, wurde Vinicius in zahlreichen Offensivwerten nur von Kylian Mbappé übertroffen.
Verbesserungspotenzial beim Flankenspiel
Seine individuellen Zahlen zeigen die Qualität des Brasilianers: Vinicius erzielte 22 Tore, hatte eine Schussgenauigkeit von 55,47 Prozent und verwertete 13,7 Prozent seiner Chancen. Insgesamt gab er 167 Schüsse ab, davon gingen 71 auf das Tor.

Auch als Vorbereiter spielt er eine wichtige Rolle. Mit 967 Pässen ins letzte Drittel war Vinicius bei Real Madrid das Maß aller Dinge. Seine Passquote von 82,09 Prozent ist für einen Spieler, der häufig über die Außenbahn kommt, ebenfalls stark.
Ein Bereich mit Verbesserungspotenzial bleibt allerdings das Flankenspiel. Zwar schlug nur Trent Alexander-Arnold mehr Flanken in den Strafraum als Vinicius' 79 Versuche, doch lediglich zwölf davon fanden einen Mitspieler. Für Arsenal könnte genau dieser Punkt entscheidend sein. Die Gunners wollen ihren Premier-League-Titel verteidigen und in der Champions League den nächsten Schritt machen. Dafür braucht es maximale Effizienz im letzten Drittel.
Fan-Probleme könnten Wechselwunsch verstärken
Bei Einsatz und Mentalität gibt es dagegen wenig Kritikpunkte. Vinicius gewann den Ball in der vergangenen Saison 137-mal zurück und setzte sich in 574 Eins-gegen-eins-Duellen durch – mindestens 132 mehr als jeder andere Real-Spieler. Dennoch könnte ein anderer Faktor entscheidend werden: die schwierige Beziehung zu Teilen der spanischen Fans. Vinicius wurde in LaLiga mehrfach massiv beleidigt, was den Brasilianer immer wieder öffentlich beschäftigte.
Ein Tapetenwechsel könnte deshalb nicht nur eine sportliche Entscheidung sein. Arsenal würde ihm eine neue Bühne bieten – und Arteta könnte einen Spieler bekommen, der mit seinem Tempo, seiner Kreativität und seiner Mentalität genau die Elemente liefert, die den Gunners auf höchstem Niveau noch fehlen könnten.
