Chivu als Architekt des Inter-Triumphs: Wie die Nerazzurri den 21. Titel holten

Cristian Chivu hat am Sonntag mit Inter Mailand den Scudetto gewonnen.
Cristian Chivu hat am Sonntag mit Inter Mailand den Scudetto gewonnen.REUTERS/Daniele Mascolo

Cristian Chivu hat Inter mit der Gelassenheit eines Routiniers verwandelt und den Klub zu einem Scudetto geführt, der unverkennbar seine Handschrift trägt. Vom mentalen Wiederaufbau nach dem europäischen Tiefschlag bis hin zur individuellen Förderung jedes einzelnen Spielers: der rumänische Coach hat ein Meisterwerk vollbracht, das die Nerazzurri zurück an die Spitze des italienischen Fußballs katapultiert hat.

Hätte zu Saisonbeginn jemand prophezeit, dass Chivu gleich bei seinem ersten Engagement als Cheftrainer eines Topklubs die Serie A dominieren würde, wäre er wohl belächelt worden. Doch in der Führungsetage von Inter wusste man es besser: Dort erkannte man das Potenzial, das anderen noch verborgen blieb.

Die Verbindung zwischen beiden Seiten flammte im Sommer neu auf, nach einem kurzen, aber lehrreichen Intermezzo bei Parma. Am 18. Februar 2025 wurde er gerufen, um den Abstiegskandidaten auf Platz 18 vor dem Absturz in die Serie B zu bewahren – am Ende führte er es auf Rang 16 und gab der Mannschaft Würde und Hoffnung zurück.

Dieser Blitzeinsatz genügte, um Präsident Beppe Marotta und die Vereinsführung von Inter endgültig von Chivus Qualitäten zu überzeugen. Es war die Eintrittskarte für seine Rückkehr zu seiner sportlichen Heimat, wo er bereits von 2017 bis 2024 Talente in der Jugendakademie geformt hatte.

Es war eine geduldige Lehrzeit im selben Trikot, das er schon sieben Jahre als Profi getragen hatte. Ein Kreis, der sich schloss, um ein neues, spektakuläres Kapitel aufzuschlagen: Sein Debüt bei den "Großen" verlief furios – mit einem rasanten Aufstieg und einem Einfluss auf das Team, der selbst engste Weggefährten staunen ließ.

Wiederauferstehung nach Rückschlag

Schon in den ersten Partien, beginnend bei der Klub-WM, war Chivus Handschrift unverkennbar. Trotz der schweren Bürde, die Simone Inzaghi hinterlassen hatte, und dem traumatischen 0:5 im Champions-League-Finale, wusste Chivu sofort: Die größte Baustelle war nicht die Taktik, sondern die Psychologie.

Ruhe einkehren lassen, eine verletzte Mannschaft zusammenschweißen und einen erfolgsverwöhnten Kader davon überzeugen, einem jungen Trainer bei dessen erstem großen Abenteuer zu folgen – Chivu hat diesen Auftrag nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Unter ihm spielt Inter flüssiger, unberechenbarer und mit einer neuen spielerischen Freiheit.

Chivu feiert mit den Spielern von Inter
Chivu feiert mit den Spielern von InterREUTERS/Jennifer Lorenzini

Zu den größten Erfolgen des Trainers zählt die Entwicklung von Federico Dimarco. Unter Inzaghi meist nach 60 Minuten ausgewechselt, reifte er unter Chivu zum unangefochtenen Stammspieler und mentalen Leader. Das Resultat? Er wurde zum besten Vorlagengeber der Liga und zur gefährlichsten Offensivkraft der gesamten Serie A. Eine Verwandlung, die im Kopf begann, bevor sie auf dem Platz sichtbar wurde.

Doch Chivus Arbeit wirkte sich auf alle Mannschaftsteile aus. Im Sturm blieb Lautaro Martínez trotz kleinerer Blessuren der Fixpunkt, wobei das Team Ausfälle dank einer klugen Rotation mühelos kompensierte: Ein überraschend starker Pio Esposito, ein stets zuverlässiger Bonny und ein Marcus Thuram, der in den entscheidenden Momenten zur Stelle war – etwa beim dramatischen 4:3 in Como, dem Wendepunkt der Saison.

Serie-A-Titel als persönliches Siegel

Und dann ist da Piotr Zieliński: Unter Inzaghi noch ein Rätsel, wurde er unter Chivu zum Rohdiamanten. Flexibel im Mittelfeld eingesetzt, brachte er Tempo, Torgefahr und eine spielerische Leichtigkeit in den Motor der Nerazzurri, wie man sie von ihm in Italien bisher kaum gesehen hatte.

Inters Triumph in der Serie A ist untrennbar mit dem Namen Cristian Chivu verbunden. Im Juli festigte er das mentale Gerüst, im Spätsommer etablierte er die taktische Struktur, und als die Maschine erst einmal lief, moderierte er das Team mit menschlichem Fingerspitzengefühl.

Mit punktgenauen Korrekturen sorgte er dafür, dass Inter die Tabellenführung nach der Übernahme nicht mehr hergab. Dass in der Champions League nach dem Playoff-Aus noch die Erfahrung fehlte, bleibt nur eine Randnotiz in einer Saison, die wie der Auftakt zu etwas viel Größerem wirkt.

Zum Match-Center: Inter Mailand vs. Parma Calcio

Wenn dies erst das erste Kapitel der Geschichte zwischen Chivu und Inter war, darf man gespannt sein, welche Erfolge der Rest des Buches noch bereithält.