Zunächst mal ließ Klopp keinen Zweifel daran, dass er mit seinem Start im Nations-League-Spiel in Amsterdam gegen die Niederlande am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) seine eigene kleine Revolution starten wird. "Wir müssen uns auf eine neue Art Fußball einstellen", sagte er und versprach: "Wir werden alles versuchen, um eine neue Herangehensweise sichtbar zu machen. Ich erwarte sofort mehr."
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Viel mehr als beim neuerlichen WM-Desaster! Mut, Gier, Biss, Leiden- und Laufbereitschaft. Klopp spricht gerne von der "Lust aufs Gewinnen". Er selbst gibt an der Seitenlinie die Richtung vor – immer unter Strom, mit fliegenden Fäusten und gefletschten Zähne. "Wir müssen", sagte er, "über die Art und Weise kommen. Dafür haben wir kaum Zeit."

Drei Tage Vorbereitung – dann muss "der Neue" alles neu gemacht haben. Ein Problem? "Ich bin es gewohnt, keine Zeit zu haben. Ich hatte nie Zeit. Aber das ist völlig wurscht", sagte Klopp. Also klatscht er wie im Video für die Fans in die Hände und ruft: "Let's go!" Ein Startsignal, wie es seine Leitwölfe auf dem Platz geben, wenn sie den Gegner jagen und zu Fehlern zwingen wollen, um dann blitzschnell umzuschalten.
So will Klopp spielen lassen
Das tat Klopp in Liverpool meist aus einem 4-3-3 heraus; bei seiner Vorstellung als Bundestrainer sprach er von "drei Mittelfeldspielern". Ein Schlüssel in diesem System sind pfeilschnelle Flügel, wie Klopp sie in Karim Adeyemi oder Kevin Schade in seinem Kader für Donnerstag hat. Allerdings ist die DFB-Elf auch nach dem dritten WM-Debakel in Serie noch immer in vielen Spielen Favorit – und wird zu Ballbesitz gezwungen.

Dann greift Klopps zweiter Ansatz: Aus (hohem) Pressing wird der Kampf um "zweite" Bälle und Gegenpressing, aus den Flügelspielern werden Spielmacher, wie Klopp sie im "modernen Fußball" in vielen Teams beobachtet – etwa einen Michael Olise in München. Beim DFB könnten Lennart Karl oder Said El Mala, beide in "Kader 2" für den Nations-League-Viererpack, diese Rolle einnehmen.
Wichtig hier sind Außenverteidiger, die "hinterlaufen" – und eine sehr hohe Restverteidigung. Das birgt Risiken, aber: "Mit negativen Konsequenzen", sagte Klopp, "setze ich mich auseinander, wenn sie da sind". Alles andere sei "verschwendete Zeit". Allerdings sei er "kein Idiot, der sagt: 'Wird schon.'"
"Stabilität" und "organisiertes Chaos"
Wird es? In Liverpool brauchte er über vier Jahre bis zum ersten Titel. Dass sich die DFB-Elf erst mal vom Anspruch befreien sollte, Turniere zu gewinnen, hatte Klopp schon nach der Paraguay-Blamage betont – da war er noch gar nicht im Amt. Bald darauf ließ er durchblicken, dass es unter ihm keinen Hurra-Fußball geben wird. Heavy Metal kann auch Power-Ballade!
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Übertragen auf den Fußball: "Qualität wird sichtbar, wenn eine Mannschaft eine Stabilität hat im Defensivverhalten. Das ist das Trampolin, das ist das Fangnetz, das ist alles", sagte Klopp. Wer nur offensiv denke, werde "gekillt". In seinen Teams seien "alle immer verantwortlich für die Defensive" gewesen. "Alle. Immer."
Anders als im Klubfußball aktuell üblich, will Klopp dabei nicht mann-, sondern ballorientiert verteidigen. Der Vorteil: Dieser Ansatz sei "nicht kompliziert", Klopp sprach von "organisiertem Chaos" und meinte: "Wenn es anfangs nur Chaos ist, nehmen wir das in Kauf." Als "New One" darf er sich das erlauben.
