Müde kletterte Jürgen Klopp zum Ende seiner ersten Dienstreise mit seinem Flugticket in der Hand in den Teambus und setzte sich neben Rudi Völler. Im Gepäck hatte der Bundestrainer einen Punkt, das Trikot von Virgil van Dijk und ganz viel Hoffnung.
Nach seinem ermutigenden Einstand blieb Klopp nur auf dem kurzen Flug von Amsterdam nach Nürnberg etwas Zeit, um Schlaf nachzuholen. Dann stürzte sich der vermeintliche Heilsbringer des deutschen Fußballs sofort wieder in die Analyse.
Noch läuft nicht alles rund
"Es besteht noch eine fehlende taktische Sicherheit. Es waren aber viele gute Eindrücke, mit denen ich arbeiten kann", sagte Klopp nach dem ereignisreichen 1:1 (1:0) zum Nations-League-Auftakt beim Erzrivalen Niederlande.

Noch in der Nacht schaute er sich die ersten Szenen mit seinem Trainerteam im Leonardo Royal Hotel an, auch über Ersatz für die verletzten Jamal Musiala und Kai Havertz wurde vor Klopps Heimdebüt am Sonntag (20:45 Uhr/ARD & Flashscore-Audioreportage) in Augsburg gegen Griechenland diskutiert.
Der späte Ausgleichstreffer nach einem schlimmen Ballverlust von Serge Gnabry durch seinen Ex-Spieler Cody Gakpo ärgerte Klopp zwar mächtig, doch schon bald sollen Siege folgen.
"Wir sind in einem Ergebnissport und wollen nicht die nächsten 500 Spiele unentschieden spielen", sagte Klopp, der sich am Freitag die Aufzeichnung der hitzigen Partie in der Johan Cruyff Arena mit dem Führungstreffer von Felix Nmecha noch einmal in Ruhe anschauen wollte.

Klopp-DNA noch nicht sichtbar
Die ersten Erkenntnisse hatte Klopp schon direkt nach dem Abpfiff gewonnen. Die Intensität, die Bereitschaft und die Leidenschaft seien gut gewesen, stellte er kurz vor Mitternacht fest. Das gelte auch für die Fußball-Details. Aber: "Als die Niederlande dominanter wurden, haben wir zu wenig Fußball gespielt. Dadurch sind wir unter Druck gekommen."
Das Gegenpressing funktionierte nur in Ansätzen, die Klopp-DNA war noch nicht in allen Szenen spürbar. "Wir brauchen Zeit dafür, dass sich die vielen Abläufe, gerade gegen den Ball, selbstverständlicher anfühlen", sagte er.
Für seine Schüler um den starken Debütanten Philipp Treu hatte Klopp gleich ein paar Aufgaben parat: "Die Abläufe können noch nicht natürlich sein. Es ist erlernt. Und wie jeder feststellt beim Erlernen: Da gibt es den Moment, wo du mal kurz weißt, was du alles für Vokabeln morgens gelernt hast, dann weißt du vielleicht mittags noch was. Aber am nächsten Tag wäre es auch nicht schlecht, wenn du noch mal draufguckst."

Lektion gelernt
Die Lernkurve ist dem 59-Jährigen ohnehin wichtiger als das Ergebnis. "Viel wichtiger sind natürlich für mich, als jetzt irgendwie ein 1:0 über die Zeit zu bringen, die ganzen anderen Informationen, die wir bekommen haben", sagte Klopp.
Schon gegen Griechenland soll es besser werden. Für das angeschlagene Duo Jamal Musiala und Kai Havertz soll Ersatz nominiert werden. Jonathan Burkardt oder Nick Woltemade wären Kandidaten, ursprünglich waren die beiden Stürmer erst für den zweiten Kader und die Spiele drei und vier vorgesehen.
So oder so: Sportdirektor Völler spürte schon nach der ersten Partie "eine Aufbruchstimmung". Für Kapitän Joshua Kimmich war es "ein intensives Spiel, in dem nicht alles perfekt war, aber sich vieles ganz gut angefühlt hat". Und in Jonathan Tah reifte die Erkenntnis, dass "Jürgen Klopp eine Mannschaft mitreißen kann".

