Im Zentrum des Verfahrens stehen sieben medizinische Fachkräfte. Ihnen wird vorsätzliche Tötung vorgeworfen, da die Angemessenheit und die Bedingungen der häuslichen Pflege infrage gestellt werden. Die Anklage wirft den Beschuldigten vor, die Symptome eines angeblich bis zu 12 Stunden andauernden Todeskampfes ignoriert zu haben. Maradona hatte sich kurz zuvor einer Gehirnoperation unterzogen und starb während der Genesungsphase an einem Herz-Kreislauf-Stillstand infolge eines Lungenödems.
Der Gerichtsmediziner Pablo Ferrari, der den Fall 2024 analysierte, trat dieser Darstellung vor dem Gericht in San Isidro nördlich von Buenos Aires entschieden entgegen. "Die Agonie dauerte nur wenige Minuten, höchstens einige Stunden (...). Aus wissenschaftlicher Sicht kann ich nicht bestätigen, dass er stundenlang gelitten hat. Es geschah plötzlich", so Ferrari, der als letzter Zeuge im Prozess aussagte.
Ferrari führte aus, dass das Lungenödem zum Ersticken geführt habe. In einem solchen Fall gerate ein Patient üblicherweise in Panik und zeige Anzeichen eines Überlebenskampfes. "Hier gab es jedoch keinerlei Verletzungen, die auf einen Kampf hindeuten. Seine Agonie kann nur wenige Minuten gedauert haben", betonte er. "Es war ein vernichtender Tod."
Keine Hinweise auf Nieren- oder Herzprobleme
Darüber hinaus merkte der Experte an, dass selbst eine Erkrankung an Covid-19 als Todesursache "nicht ausgeschlossen werden kann". Das Fehlen eines entsprechenden Abstriches bezeichnete er als methodischen Fehler. Maradona verstarb am 25. November 2020 – mitten im ersten Jahr der weltweiten Coronavirus-Pandemie.
Mit seinen Ergebnissen widerspricht Ferrari auch dem offiziellen medizinischen Untersuchungsgremium, das Leber-, Nieren- und Herzprobleme als Ursachen für das Ableben angeführt hatte. Laut Ferraris Auswertung der Laborwerte gab es weder Anzeichen für eine Nierenfunktionsstörung noch Hinweise auf ein Herzproblem. Die Leberwerte hätten sich zwar zwischen 2018 und 2020 verschlechtert, jedoch "innerhalb eines Toleranzbereichs, der keinen medizinischen Notfall darstellte".
Mit Ferraris Vernehmung ging die Zeugenbefragung in dem seit April andauernden Mammutprozess zu Ende. Am 8. Oktober beginnen die Schlussplädoyers der insgesamt 13 Prozessparteien, bevor voraussichtlich im November das Urteil gesprochen wird.
