André Rankel steht auf dem Eis und gibt den Nationalspielern Anweisungen für das Training. Im Dome in Düsseldorf - dort, wo in einem halben Jahr um den WM-Titel gespielt werden soll. Für den neuen Eishockey-Bundestrainer beginnt die Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft, die es womöglich gar nicht geben wird.
Denn während der Neuling beim Deutschland Cup erstmals dem DEB-Team seine Ideen und sein System vermitteln und umsetzen will, wird in Zürich um einen Ausweg aus dem Russland-Dilemma gerungen – inzwischen in der Verlängerung.
Nach der Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS, russische Mannschaften bereits in der laufenden Saison wieder zuzulassen, und den Boykottdrohungen des Weltmeisters Finnland und weiterer Europäer weiß derzeit niemand, wie es weitergeht.

Heim-WM wackelt sogar
Ob auch die Bundesregierung für die Männer-WM in Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim (13. bis 30. Mai 2027) der russischen Mannschaft die Einreise verweigern würde, ist bislang offen. Der DEB-Vorstandsvorsitzende Frank Lutz, der eine Rückgabe des Turniers nicht ausschloss, weilt zu Gesprächen in Berlin.
Die IIHF setzt offenbar auf den Faktor Zeit. Wie sie am Mittwoch mitteilte, habe sie dem CAS dargelegt, dass die "sofortige Wiederaufnahme russischer Teams erhebliche praktische und sportliche Herausforderungen mit sich" bringe, "darunter Visa- und Einreisebestimmungen, Sicherheitsvorkehrungen, logistische Einschränkungen und Konsequenzen für die Wettbewerbsformate". Die Auswirkungen des CAS-Urteils seien "erheblich unterschätzt" worden.
Erster Test gegen Österreich
Das alles muss Rankel ausblenden, wenn er am Donnerstag (19:45 Uhr/MagentaTV) gegen Österreich zum ersten Mal für Deutschland an der Bande steht.

Sein Auftrag: nach drei schwachen Turnieren mit zwei verpassten WM-Viertelfinals und der Olympia-Enttäuschung mit den NHL-Stars um Leon Draisaitl sowie der folgenden Trennung von Harold Kreis eine neue Aufbruchsstimmung entwickeln.
"Du musst ein Team sein, du musst alles füreinander tun. Du brauchst den Willen, den Stolz, die Leidenschaft, für dieses Team zu spielen. Nur dann kannst du Spaß haben", sagte der Berliner Rekordtorschütze – der als Spieler, Trainerpraktikant und Assistent an allen zwölf Meistertiteln der Eisbären beteiligt war, im Gespräch mit dem SID und betonte: "Ohne harte Arbeit kann Talent nicht gewinnen."
