Zwischen Genie und Geduld: Judd Trump auf der Suche nach dem nächsten WM-Triumph

Ein nachdenklicher Judd Trump beim Finale der Tour Championship.
Ein nachdenklicher Judd Trump beim Finale der Tour Championship.Zhai Zheng / Xinhua News / Profimedia

Judd Trump ist schon lange kein Shooting Star der Snooker-Szene mehr, der Weltmeister von 2019 ist seit Jahren der konstanteste Spieler und folgerichtig seit 2024 ununterbrochen die Nummer eins der Weltrangliste. Nichtsdestotrotz waren Titel zuletzt Mangelware - auch sein einziger WM-Titel liegt sieben Jahre zurück. Kehrt Trump dieses Jahr in Sheffield zurück an den Snooker-Olymp?

Vier Halbfinal-, vier Final-Teilnahmen und ein Titel.

Judd Trump hat wieder einmal ein konstantes Snooker-Jahr hinter sich. Auf den ersten Blick lesen sich die Zahlen durchaus zufriedenstellend. Doch bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass Trump seit der Saison 2022/23 nicht mehr so wenige Titel eingefahren hat.

2023/24 holte er sogar fünf Turniersiege, 2024/25 waren es immerhin drei Triumphe. 

Judd Trump: Saison mit Höhen und Tiefen

Es ist also eine Saison mit gemischten Gefühlen. Gerade die herbe 3:10-Klatsche gegen den amtierenden Weltmeister Zhao Xintong beim Finale der Tour Championship hallt bei der Nummer eins noch nach.

"In den vergangenen zwei Monaten war Zhao der beste Spieler der Welt", musste Trump nach der Niederlage zugeben. Angst hat er deswegen jetzt aber keine vor dem Chinesen. "Ich mag die Herausforderungen. Es liegt jetzt an mir, an meinem Spiel zu arbeiten und mich zu verbessern."

Judd Trump: Warten auf den zweiten WM-Titel

Die nächste Herausforderung wartet mit der anstehenden WM in Sheffield. Trotz Trumps Konstanz und schier unbregnztem Potenzial kam er im Crucible Theatre bislang erst auf einen Titel - und der liegt bereits sieben Jahre zurück. Es gibt natürlich nicht viele aktive Spieler, die mehr als einen Weltmeistertitel erringen konnten. Shaun Murphy wartet seit 21 Jahren auf die Wiederholung seines damals überraschenden Triumphs, Neil Robertson Weltmeisterschaft liegt auch 16 Jahre zurück.

Allerdings galten Murphy und Robertson auch noch nie als der nächste Ronnie O'Sullivan. Dieses Damoklesschwert schwebt schon lange über Trump, spätestens seit seinem WM-Titel und seiner anschließenden Rekordsaison mit sechs Ranking-Titeln.

Judd Trump mit dem WM-Pokal 2019.
Judd Trump mit dem WM-Pokal 2019.Xinhua / Eyevine / Profimedia

Auch wenn Trump für seinen ersten WM-Titel länger als O'Sullivan brauchte, brachte der heute 36-Jährige von Anfang an einen gewissen Flair an den Tisch - und erinnerte so an den jungen Ronnie. Mit 20 Jahren spielte Trump noch deutlich vor O'Sullivan (25 Jahre) sein erstes Finale, unterlag damals aber John Higgins knapp mit 15:18. Nichtsdestotrotz war er in der Weltspitze angekommen und feierte nur wenige Monate später den Gewinn der UK Championship - und damit einem Triple-Crown-Event.

Trump über Vergleiche mit Ronnie O'Sullivan: "Spiele in der schwierigsten Ära"

Mittlerweile steht Trump bei 31 Ranking-Titeln in seiner Karriere, während O'Sullivan die Geschichtsbücher mit 41 anführt. In Angesicht des Altersunterschieds von 14 Jahren ist es aber wohl nur eine Frage der Zeit, wann Trump "The Rocket" in dieser Statistik einholt. Anders ist das Bild allerdings bei Triple-Crown-Events: O'Sullivan steht hier bei unfassbaren 23 Titeln, während Trump nur auf fünf kommt.

Trump selbst möchte von den Vergleichen zu O'Sullivan nichts hören. "Ich vergleiche mich nicht mit Ronnie", sagte er 2024 nach seinem zweiten Titel bei der UK Championship. "Ich habe andere Voraussetzungen. Ich spiele in der mit Abstand schwierigsten Ära des Snookers. Ich werde immer mit Ronnie verglichen werden, aber die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile ist es deutlich schwieriger, ein Event der Triple Crown zu gewinnen."

Damit will er aber nicht den Status von O'Sullivan kleinreden, mit dem er ein respektvolles Verhältnis pflegt. "Es war immer ein Vergnügen, mit ihm am Tisch zu stehen. Er war während meiner ganzen Karriere immer sehr freundlich zu mir, hat mich schon als junger Spieler mit ihm trainieren lassen, sodass ich versuchen konnte, Dinge von ihm zu lernen. Er wird als der beste Spieler aller Zeiten in die Geschichte eingehen", sagte Trump nach seinem verlorenen WM-Finale 2022 gegen O'Sullivan.

Judd Trump: Für den Snooker-Olymp braucht es mehr Triple-Crown-Titel

Trump will seine magere Statistik bei Triple-Crown-Events nicht an sich ranlassen - und unterscheidet daher nicht bei der Wertigkeit der verschiedenen Ranglistenturniere. "Sie bedeuten für mich alle das gleiche. Für mich ist es egal, welches Turnier ich gewinne. Es macht keinen Unterschied."

Diese Herangehensweise ist natürlich legitim, Fakt ist aber: Möchte Trump im Vergleich mit den besten Spielern der Geschichte ganz oben stehen, muss er in Zukunft öfter bei den prestigeträchtigen Turnieren als Sieger hervorgehen. Auch wenn er es nicht zugeben mag, wird sein Standard an sich selbst höher sein, als seine bisherige Ausbeute bei Triple-Crown-Events.

Den Anfang dafür kann er ab Samstag im Crucible Theatre machen.