Kittel zurück in der "Achterbahn": Ex-Sprintstar als Coach zum Giro

Kittel (l.) im Gespräch mit Pascal Eenkhoorn
Kittel (l.) im Gespräch mit Pascal EenkhoornBelga / Sipa USA / Profimedia

Einst sprintete Marcel Kittel selbst um Etappensiege. Nun gibt der frühere Profi als Sprint-Coach des Teams Unibet Rose Rockets seine Erfahrungen weiter.

Wenn beim Giro d'Italia die Massensprints anstehen, steigt der Puls bei Marcel Kittel. Nein, ins Getümmel stürzt sich der einstige Etappenjäger nicht mehr selbst. In seinem neuen Job ist der ehemalige Weltklasse-Sprinter aber dennoch irgendwie wieder mittendrin. "Man hat da schon dieselbe Achterbahn, emotional gesehen. Das ist echt vergleichbar zu dem, was man als Rennfahrer auch fühlt", sagte Kittel dem SID.

Seit gut einem halben Jahr ist der 14-malige Tour-Etappensieger als Sprint-Coach beim Team Unibet Rose Rockets angestellt. Es ist sein erster Posten im Profi-Radsport seit dem Karriereende im Jahr 2019. Es geht vor allem um den Transfer von Know-how, Kittel soll mit all seiner Erfahrung den Aufstieg des erst 2023 gegründeten Teams vorantreiben.

Kittel sieht sich nur als Unterstützung

"Die Mannschaft hat eine gute Energie, die Jungs haben alle Bock und offene Ohren. Das ist erstmal eine ganz wichtige Basis, auf der man aufbaut", sagte Kittel. 50 bis 60 Tage im Jahr ist der 37-Jährige mit der Mannschaft bei Rennen und Trainingslagern unterwegs. Verantwortlich ist er vor allem für die Vorbereitung bei Sprintrennen.

Bei der 109. Italien-Rundfahrt, die am Freitag in Bulgarien startet, ist er ebenfalls vor Ort. "Es geht darum, dass die Fahrer im Finale wissen, was sie zu tun zu haben. Am Ende sollen sie nicht machen, was ich will", sagte Kittel: "Sie sollen sehen, was sie brauchen, um das ideale Lead-Out und Finale vorzubereiten. Das Wichtige ist, dass die Jungs dann selbstständig entscheiden."

Hoffnungsträger Groenewegen

Beim Giro soll diese Vorbereitung Topsprinter Dylan Groenewegen zu Siegen führen. Der Niederländer war einst Sprint-Rivale von Kittel, nun arbeiten beide eng für den gemeinsamen Erfolg zusammen.

Ein Hauptpreis wartet dabei schon zum Start: Bei der 147 km langen Auftaktetappe nach Burgas wird ein Sprintfinale erwartet, Groenewegen winkt die Fahrt ins Rosa Trikot. "Natürlich ist das eine tolle Chance, aber wir müssen auch nach Tag eins noch weiter gucken", sagte Kittel, der vor zehn Jahren selbst kurzzeitig den Giro anführte.