"Ich weiß, um was es geht für mich - das ist kein Geheimnis für den Rest des Jahres", sagte der US-Open-Champion im westfälischen Halle, wo er Deutschland mit zwei Einzelsiegen in die Cup-Entscheidung nach Bologna geführt hatte. Die Zverev'sche Devise für das Saisonfinale ist klar: Als Weltranglistenerster und Davis-Cup-Sieger liebäugelt er binnen eines Jahres damit, die größten Lücken in seiner Tennis-Vita zu schließen.
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Ambition trotz Mammutprogramm
Zum Start seiner Mission erlebte der nun zweimalige Grand-Slam-Held in Ostwestfalen eine glorreiche Heimkehr. Der Zverev-Hype, er erreichte in der Heristo-Arena einen vorläufigen Höhepunkt und der Hauptdarsteller will die Erfolgsschraube weiterdrehen: In der bereinigten Jahreswertung der Weltrangliste liegt Zverev derzeit 700 Punkte vor dem noch immer an Knieproblemen laborierenden Jannik Sinner. Erstmals seit Boris Becker 1991 winkt damit einem Deutschen die Führung im ATP-Ranking. Es wäre die Kirsche auf die Sahnehaube eines Jahres, in dem Zverev mit den Grand-Slam-Titeln von Paris und New York mehr als erwartet erreicht hat.
Die Weltrangliste auf der einen, der traditionsreiche Davis Cup auf der anderen Seite: Tennis-Deutschland lechzt nach dem vierten Titel, dem ersten seit 1993. "Wir sind ein starkes Team, das bis zum Ende gehen kann. Mit einem starken Doppel und einer starken Nummer zwei", konstatierte Zverev und wurde dann konkret: "Ich glaube, dass wir mit dieser Gruppe jetzt noch Chancen haben und ich möchte die Chance nutzen." Auch deshalb will er im Rhythmus bleiben, trotz des zehrenden Mammutprogramms vergangener Wochen. Um den maximalen Erfolg aus seiner bestechenden Form zu pressen, will der 29-Jährige möglichst keine großen Pausen einlegen.
Neben sportlichem Erfolg: Zverev knackt Preisgeld-Marken
Die Belohnung für den Dauereinsatz ist nicht nur sportlicher Natur - auch finanziell erlebt Zverev Zahltage. Allein seine Grand-Slam-Erfolge haben sein Preisgeldkonto in neue Dimensionen katapultiert. Mehr hat Hamburger in diesem Jahr bereits verdient als Davis-Cup-Legende Michael Stich in dessen gesamter Karriere.
Und es ist noch mehr möglich: Unter anderem winken beim Six Kings Slam erneut üppige Einnahmen. Das Einladungsturnier birgt zwar keine Ranglistenpunkte, dafür sitzt in Saudi-Arabien das Geld bekanntlich locker: In Vergangenheit wurden dort Preisgelder ausgeschüttet, die selbst die Dimensionen des höchstdotierten Grand-Slam-Turniers sprengten.
"Der Davis Cup ist Historie"
Ausgerechnet beim Davis Cup soll es indes um eine andere Währung gehen. "Nicht jeder Wettbewerb", befand Zverev auf den unliebsamen Finalmodus angesprochen, "muss sich um Geld drehen, der Davis Cup ist Historie." Euphorische Zuschauer und um das besondere Gemeinschaftserlebnis zwischen Mannschaft und Fans - das hatte er in Halle gefunden. Die Standing Ovations genoss Zverev sichtlich. Das schwierige Verhältnis zwischen ihm und dem Publikum? Vorerst vergessen. DTB-Präsident Dietloff von Arnim adelte ihn als "besten deutschen Einzelsportler"; Sportstaatsminister Ronald Rauhe bedankte sich gar dafür, "dass wir dich als Vorbild in Deutschland haben dürfen".

Der "Patriot", wie Zverevs Mutter ihren Sohn angesichts seiner Davis-Cup-Teilnahme bezeichnet haben soll, hat in Bologna die Chance, seinen neugewonnenen Status als Publikumslieblings zu zementieren - dann womöglich schon als neue Nummer eins der Welt.
