Niclas Füllkrug trottete nachdenklich im Dortmunder Nieselregen vom Platz, als die Fans den BVB schon auf den Bundesliga-Klassiker einstimmten. "Zieht den Bayern die Lederhosen aus", schallte es von der Südtribüne, vor der die Borussen hüpften - eher erleichtert als euphorisiert.
Denn ihr Ex-Kollege war wieder als Spielverderber aufgetreten. Auch wenn ein Last-Second-Tor von Marcel Sabitzer zum 3:2 (2:0) gegen Werder Bremen den Einzug ins Pokal-Achtelfinale perfekt machte - selbst als Kurzarbeiter hatte Füllkrug Dortmunder Schwächen aufgezeigt, die beim Gipfeltreffen am Samstag (18.30 Uhr/Sky) in München beim punktgleichen Tabellenführer bitter bestraft werden könnten.
Match-Center: Borussia Dortmund vs. SV Werder Bremen

Füllkrug trifft "auch durchs Nadelöhr"
"Die Fans müssen auch was kriegen für ihr Geld", sagte Torhüter Gregor Kobel am ZDF-Mikro und versuchte es mit Humor: "Wir haben souverän geführt, da dachten wir: Komm, machen wir's ein bisschen spannend." Dafür war neben dem Dortmunder "Verwaltungsmodus", wie BVB-Sportdirektor Ole Book kritisierte, vor allem Füllkrug zuständig: Wegen "Belastungssteuerung", so Werder-Sportchef Clemens Fritz, gerade erst eingewechselt, glich der Bremer Torjäger mit einem souverän verwandelten Foulelfmeter (65.) und einem platzierten Distanzschuss (69.) den frühen 0:2-Rückstand aus. Vor allem beim 2:2 nach Beinschuss gegen Waldemar Anton und Solo von der Mittellinie war dem 33-Jährigen sein Alter nicht anzumerken.
Dass er im neunten Pflichtspiel nach der Rückkehr zu Werder sein Torkonto bereits auf elf Treffer aufstockte, wollte Füllkrug nicht thematisieren. Warum er nach zwei enttäuschenden Jahren in England und Italien jetzt wieder ständig treffe, wisse er "auch nicht, aber darum geht's nicht", sagte er bei Sky. Die Loblieder sangen andere, etwa BVB-Trainer Niko Kovac: "Er hat einen absoluten Lauf, er trifft auch durchs Nadelöhr." Bei Füllkrug überwog der Ärger, den Dortmunder "Zitterfuß" nach dem Ausgleich nicht ausgenutzt zu haben, "da hätten wir das Spiel auf unsere Seite ziehen können".
Kovac mahnt vor Bayern
Das Déjà-vu nach dem 2:2 in der Bundesliga vor zweieinhalb Wochen, als Füllkrug in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielt hatte, verblasste am Ende - weil Sabitzer in der letzten Minute der Nachspielzeit (90.+3) ein "Geniestreich" gelang, den Kapitän Nico Schlotterbeck eigentlich gar nicht hatte sehen wollen. Denn bei dem Freistoß aus halblinker Position hatte er eine Flanke gefordert, Sabitzer hörte aber auf den Trainer, der von außen rief: "Schieß!"
So feierte Dortmund trotz des Spielverderbers Füllkrug am Ende doch und richtete nach dem ersten Pokalerfolg gegen Werder seit 2008 den Blick auf den FC Bayern. "Heute brauchen wir noch ein bisschen, um die Emotionen sacken zu lassen", sagte Kobel, "ab morgen gibt's Vollgas, damit wir am Wochenende das Gesicht der ersten Halbzeit zeigen." Da hatte der BVB mit hohem Pressing und frühen Toren von Serhou Guirassy (6.) und Carney Chukwuemeka (17.) total dominiert.
In München, wo Dortmund in den letzten zwölf Jahren in der Bundesliga nur einmal gewann, "muss alles funktionieren", betonte Anton, "muss jeder da sein". Denn wenn man so auftrete wie in der "wilden" zweiten Halbzeit, mahnte Kovac, "wird es sicherlich schwierig".
