WM-Kontroverse: "El Presidente" will einfach nur "chillen und relaxen"

FIFA-Boss Gianni Infantino
FIFA-Boss Gianni InfantinoREUTERS/Henry Romero

Rund eine Stunde lang hat FIFA-Präsident Gianni Infantino vor dem Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft über kontroverse Themen referiert. Seine Botschaft war verblüffend einfach.

"Wirre Rede im Trump-Stil"

Die Begrüßung auf Spanisch mit dem Titel "El Presidente" gefiel Gianni Infantino so gut, dass er sie gleich mal wiederholen ließ. Was danach in Mexiko-Stadt folgte, war ein rund einstündiger Ritt des Weltverbands FIFA durch die Vielzahl der kontroversen Themen kurz vor dem Start der 23. Fußball-Weltmeisteschaft. 

"Chill, relax", lautete dabei seine ziemlich lapidare Botschaft beim Blick auf all die Probleme rund um die Endrunde – die Infantino in einem Anfall von Größenwahn tatsächlich als das "wahrscheinlich größte Event in der Geschichte der Menschheit" bezeichnete.

Die Kritik an Infantinos Einlassungen unter dem Motto "beruhigen und entspannen" ließ nicht lange auf sich warten. The Independent ging besonders hart mit dem Schweizer ins Gericht. "Gianni Infantinos wirre Rede im Trump-Stil ist ein chaotischer Auftakt zur WM", kommentierte die britische Zeitung den Auftritt des FIFA-Präsidenten wenige Stunden vor dem Eröffnungsspiel am Donnerstag (21 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) zwischen Mexiko und Südafrika.

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Bis zu 13 Milliarden US-Dollar Einnahmen

Verweigerte Einreisen wie im Fall des somalischen Schiedsrichters Omar Artan, Wucher bei den Ticketpreisen, Kritik an den Maßnahmen der US-Regierung, Nahost-Krieg, seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump – all die heiklen Themen ließ Infantino ziemlich geschmeidig an sich abprallen. "Es gibt Herausforderungen. Aber wir arbeiten an allem, wir versuchen, alles zu lösen", sagte der 56-Jährige: "Aber wir müssen respektieren, dass wir nicht die Könige der Welt sind, die über Regierungen und Polizeikräfte herrschen können. Wir sind eine Sportorganisation."

Und jene Sportorganisation – die mit Einnahmen von 11 bis 13 Milliarden Dollar bei der Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada rechnen darf – sollten laut Infantino auch alles Vertrauen genießen.

Infantino möchte die FIFA als gemeinnützige Organisation darstellen
Infantino möchte die FIFA als gemeinnützige Organisation darstellenREUTERS/Henry Romero

"Leider ist unsere Welt eine sehr gefährliche und aggressive Welt, und die Sicherheit steht über allem. Man muss die Entscheidungen respektieren, die getroffen werden", äußerte der FIFA-Boss: "Und wenn ich sage, man solle 'entspannt bleiben', meine ich nicht, dass man nichts tun soll. Ich meine, dass man darauf vertrauen soll, dass wir hinter den Kulissen arbeiten."

Natürlich auch im Zusammenspiel mit Trump. Seine enge Beziehung zum US-Präsidenten verteidigte Infantino einmal mehr. Ohne das Engagement und die Einbindung Trumps "wäre es meiner Meinung nach schlicht unmöglich gewesen, eine WM in den Vereinigten Staaten zu organisieren", sagte Infantino.