Tampa Bay Lightning 1:2 Montreal Canadiens
Der Held des Abends hieß Alex Newhook, der im entscheidenden Moment zur Stelle war. Sein Siegtreffer im Schlussabschnitt war bezeichnend für die gesamte Serie: Ein Schuss von Lane Hutson prallte von der Bande zurück, Newhook schlug den Puck aus der Luft gegen den Rücken von Star-Goalie Andrei Vasilevskiy, von wo aus die Scheibe ins Netz trudelte.
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"Das sind die Momente, von denen man als Kind träumt", jubelte Newhook nach dem Spiel, während Tampa Bay realisieren musste, dass ihr Traum vom Stanley Cup zum vierten Mal in Folge bereits in der ersten Runde platzte.
Dass neun Schüsse zum Sieg reichen konnten, lag vor allem an einem Mann: Jakub Dobes. Der Torhüter der Canadiens parierte 28 Schüsse und hielt sein Team fast im Alleingang im Spiel, während seine Vorderleute fast 27 Minuten lang keinen einzigen Versuch auf das gegnerische Tor zustande brachten. Coach Martin St. Louis gab nach dem Spiel offen zu, dass Tampa eigentlich das bessere Team war, lobte aber den unbändigen Kampfgeist seiner jungen Truppe, die den Umbruch schneller hinter sich gelassen hat, als Experten es vermuteten.
Für Tampa Bay fühlt sich dieses Aus wie ein schlechter Film an, der in Dauerschleife läuft. Trotz klarer Überlegenheit und einer spürbaren Steigerung im Verlauf der Serie fehlte das nötige Scheibenglück. Stürmer Brandon Hagel brachte es frustriert auf den Punkt: "Wenn man zu Hause drei von vier Spielen verliert, kann man keine Serie gewinnen".
Während Montreal nun euphorisch in die zweite Runde gegen die Buffalo Sabres einzieht, beginnt in Tampa die Fehlersuche nach einer Serie, in der jedes einzelne Spiel mit nur einem Tor Unterschied entschieden wurde.
Colorado Avalanche 9:6 Minnesota Wild
Ein völlig anderes Bild bot sich wenige Stunden später in Denver: In einer Partie, die eher an ein All-Star-Game als an verbissene Playoffs erinnerte, feuerten die Colorado Avalanche die Minnesota Wild mit 9:6 aus der Halle.
Der Schreckmoment für Colorado kam früh: Superstar-Verteidiger Cale Makar musste nach einem harten Check von Marcus Foligno bereits im ersten Drittel in die Kabine. Doch Makar ist aus härterem Holz geschnitzt: Er kehrte im zweiten Drittel zurück und übernahm im Schlussabschnitt das Kommando. Mit zwei Toren im letzten Drittel und einer Vorlage drehte er die Partie zugunsten der "Lawine" aus Denver und bewies einmal mehr, warum er der wohl beste Verteidiger der Welt ist.
Die Minnesota Wild zeigten eine bemerkenswerte Moral, ließen sich aber von der schieren Offensivwucht Colorados am Ende überrollen. Nachdem sie einen 0:3-Rückstand im ersten Drittel wettgemacht hatten und durch ein Unterzahltor von Marcus Foligno sogar mit 5:4 in Führung gegangen waren, schien die Überraschung möglich. Doch die Defensive um den jungen Jesper Wallstedt, der trotz der neun Gegentore 34 Paraden zeigte, fand kein Mittel gegen das Powerhouse aus Denver, in dem Nathan MacKinnon und Devon Toews nach Belieben schalteten und walteten.
Mit diesem 9:6-Sieg hat Colorado ein klares Statement gesetzt: Wer gegen uns gewinnen will, muss bereit sein, sich auf einen Schlagabtausch einzulassen. Während Nathan MacKinnon mit einem Tor und zwei Assists glänzte, war es vor allem die Tiefe des Kaders, die Minnesota verzweifeln ließ.
Spiel 2 findet bereits am Dienstag statt – die Fans können nur hoffen, dass die Visiere beider Teams weiterhin so weit offen stehen, auch wenn die Trainer nach 15 Toren vermutlich deutlich mehr Wert auf die Abwehrarbeit legen werden.
