Denn als Niko Kovac sich angesichts der Muskelverletzung von Serhou Guirassy vor der Pause umschaute, um den jungen Griechen als Ersatz zu bringen - da war Karetsas plötzlich verschwunden. "Ich habe ihn gesucht", berichtete der Trainer nach dem für eine Achtelfinalteilnahme wichtigen 2:1 (0:0) in der Champions League gegen Betis Sevilla. Der 18-Jährige hatte sich für einen fixen Toilettenbesuch von der Bank gestohlen.
Doch so ein "Hase", wie Kovac seinen trickreichen Offensivspieler nennt, ist schnell: Kovac wollte genervt Carney Chukwuemeka einwechseln, der auch schon sein Trikot überzog, "aber schwupp, kam Kostas um die Ecke". Haken Nummer eins! Nach dem Abpfiff konnten alle Beteiligten darüber herzlich lachen.
Denn Karetsas kam tatsächlich rein, er spielte gut, er zog den Ball in der 72. Minute zackig um seinen Gegenspieler herum und traf mit einem Linksschuss zum Sieg. Haken Nummer zwei! Als Karetsas später mit der Trophäe für den Spieler des Spiels in der Hand sein Interview gab, dürfte ihm klar gewesen sein: Den Unterschied zwischen einem berauschenden Abend mit seinem BVB-Premierentor und einem dicken Anpfiff von Kovac haben wohl nur ein paar Sekunden ausgemacht.
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Für Anweisungen, sagte Karetsas, war jedenfalls "keine Zeit" geblieben. Er habe "hart pressen" sollen, berichtete er, und das bezog sich nicht auf den Toilettengang.
Startelf-Ankündigung von Kovac
Entsprechend, sagte Karetsas, fühle er sich "großartig", er sei in herausgehobenem Maße "dankbar". Das hatte allerdings einen anderen, weit weniger witzigen Grund. Vor zwei Monaten war er im Champions-League-Heimspiel gegen den FC Villarreal auf dem Platz kollabiert. Seinen mühsamen Weg zurück krönte er nun "endlich mit seinem ersten Tor", wie Sport-Geschäftsführer Lars Ricken erleichtert notierte.
Von dem jungen Mann ist in den kommenden Monaten wohl noch mehr zu erwarten. Einerseits, weil Kovac Karetsas bald auch in der Startelf einsetzen will, wie er verriet, andererseits, weil da durchaus Luft nach oben ist. Nach dem Wechsel aus Belgien in die Bundesliga habe er fußballerisch nicht viel Zeit gebraucht, um sich anzupassen, betonte Karetsas: "Körperlich kann ich mich aber definitiv deutlich verbessern. Ich entwickle mich noch."
Was er andeutet, ist vielversprechend. "Man hat gesehen, dass Kostas ein richtig guter Fußballer ist", lobte Kovac, nicht nur des Tores wegen, "sondern weil er auch immer Haken schlägt. Wie ein Hase. Er hat sehr gute Übersteiger und viel Schwung reingebracht."
Am Ende aber, stellte Abwehrchef Waldemar Anton mit dem analytischen Blick eines Nationalspielers fest: "Am Ende war wichtig, dass er auf der Toilette schnell war."
