Obwohl Diego Simeone nun schon seit fast 15 Jahren an der Seitenlinie steht, schafft er es weiterhin meisterhaft, das Maximum aus dem Kader von Atlético Madrid herauszuholen. Auch wenn der ganz große Triumph in der Champions League bislang ausgeblieben ist, hält "El Cholo" die Colchoneros auf höchstem Niveau konkurrenzfähig – was nicht zuletzt der jüngste Derbysieg gegen Real Madrid bewies, als man eine Star-Elf um Kylian Mbappé, Vinícius Júnior und Jude Bellingham bezwingen konnte.
Pünktlich zur ersten Länderspielpause der LaLiga-Saison rangiert Atleti auf Platz zwei – punktgleich mit Real Betis und nur hinter dem FC Barcelona. Dabei stand der Sommer bei den Rojiblancos vor allem im Zeichen der Personalie Julián Alvarez und dessen Wechselwunsch zu den Katalanen. Dass Atlético den Argentinier letztlich hielt, könnte sich im Verlauf der Spielzeit 2026/27 noch als entscheidender Trumpf erweisen.
Historisch gesehen standen bei Atlético meist die Stürmer im Rampenlicht: Antoine Griezmann, Fernando Torres, Sergio Agüero und viele weitere Ausnahmekönner prägten die glanzvollsten Momente und zogen die Blicke auf sich.
Nur einer stand häufiger auf dem Platz
Dass Atleti im vergangenen Jahr jedoch derart gefestigt auftrat, ist vor allem der defensiven Extraklasse von David Hancko zu verdanken. Der Slowake wechselte im Sommer 2025 von Feyenoord nach Madrid – nachdem er sich zuvor eigentlich schon mit dem Saudi-Klub Al-Nassr einig gewesen war.
Seit seiner Ankunft absolvierte der Innenverteidiger 57 Pflichtspiele für Atleti. Seine enorme Bedeutung unterstreicht eine einfache Statistik: Im selben Zeitraum stand lediglich Giuliano Simeone öfter auf dem Rasen.
In puncto Einsatzzeit ist Hancko sogar die unangefochtene Nummer eins im Kader: Seine 4.710 Spielminuten übertreffen sowohl Marcos Llorente (57 Einsätze, 4.416 Minuten) als auch Giuliano Simeone (4.366 Minuten).
Der neue Chef in Atleticos Hintermannschaft
Hancko als Abwehrchef der Rojiblancos zu bezeichnen, grenzt fast schon an Untertreibung. Seit seiner Verpflichtung verzeichnet er mit 210 Befreiungsschlägen den Höchstwert im Team. Auch bei den abgefangenen Bällen teilt er sich mit 56 Aktionen den Spitzenplatz (gemeinsam mit dem mittlerweile abgewanderten Matteo Ruggeri).
Seine 102 geklärten Kopfballduelle werden im Kader nur von Robin Le Normand erreicht – beide sind die einzigen Atleti-Profis, die seit Beginn der vergangenen Saison in dieser Kategorie die Hunderter-Marke geknackt haben.

Mit 362 geführten Zweikämpfen gehört Hancko zu den aktivsten Zweikämpfern der Liga, wobei seine Erfolgsquote von 59,2 % einen absoluten Topwert im Team darstellt. In der Luft gewannen lediglich Le Normand und Alexander Sørloth mehr Duelle als der Slowake (76), was seine enorme defensive Vielseitigkeit unterstreicht.
Besonders bemerkenswert und im hektischen Spielbetrieb oft übersehen: Der 28-Jährige agiert trotz extremer Physis außerordentlich diszipliniert.

Lediglich vier Gelbe Karten bei nur 22 begangenen Fouls sind für einen kompromisslosen Innenverteidiger eine herausragende Bilanz. Darüber hinaus sorgt er bei eigenen Standards regelmäßig für Torgefahr – ein Element, das in der Simeone-Ära seit jeher eine zentrale Rolle spielt.
Zwar brachte Sørloth seit Beginn der letzten Saison mehr Kopfbälle auf das gegnerische Tor (48) als Hancko (17), doch mit fünf Torvorlagen liegt der Abwehrspieler im internen Ranking direkt hinter Alvarez, Griezmann, Simeone und Llorente – also ausschließlich offensiv ausgerichteten Teamkollegen.

Es überrascht daher nicht, dass Simeone seinen Abwehrchef als unverzichtbare Säule sieht, die wohl nur durch eine unerwartete Verletzung aus der Startelf zu verdrängen wäre.
Unersetztlicher Zweikämpfer alten Schlags
Mit einem Vertrag bis Juni 2030 ist ein vorzeitiger Abgang Hanckos nahezu ausgeschlossen. Dafür ist er für das taktische System Simeones schlichtweg zu wertvoll geworden. Er verkörpert den Typus des unermüdlichen Kämpfers, der extrem robust ist, kaum verletzungsbedingt ausfällt und in jeder Partie an seine Grenzen geht – Qualitäten, die im modernen Profifußball immer seltener werden.
Ihn jedoch bloß als „klassischen“ Verteidiger alter Schule abzutun, würde seiner Spielweise nicht gerecht werden. Hancko bringt alle Facetten eines modernen Innenverteidigers mit und blüht in Simeones System förmlich auf.
Auch wenn Atlético am Ende der Saison im Titelrennen gegenüber der finanziell und qualitativ extrem stark aufgestellten Konkurrenz das Nachsehen haben könnte: Es gibt derzeit nur wenige Akteure auf dem Kontinent, die für das Gefüge ihrer Mannschaft so unverzichtbar sind wie David Hancko für Atlético Madrid.
