Torsten Lieberknecht macht keinen Hehl daraus. Den 1. FC Kaiserslautern "für die Pfalz, die Leute und den Verein zurück in die Fußball-Bundesliga zu führen – das ist schon ein Lebenstraum", sagte der Trainer der Roten Teufel zuletzt immer wieder.
Der Pfälzer und frühere FCK-Profi weiß natürlich ganz genau, was er mit solch einer Aussage im emotionalen Umfeld des viermaligen Meisters und zweimaligen Pokalsiegers auslöst: Rund um den Betzenberg träumt mit dem Coach alles und jeder vom Aufstieg.
Bockstarke Defensive
Genährt werden die Träume vor dem Topspiel des Tabellendritten am Samstag (13 Uhr/Sky) gegen Spitzenreiter Hertha BSC vor allem von ganz außergewöhnlichen Zahlen.
Der FCK stellt die beste Abwehr im deutschen Profifußball. In neun der bisherigen elf Pflichtspiele blieben die Lauterer ohne Gegentor.

Insgesamt nur viermal musste der bislang bärenstarke Torhüter Julian Krahl hinter sich greifen. Das Mauerwerk in der Defensive hat dafür gesorgt, dass lediglich neun erzielte Treffer nach neun Spieltagen für 18 Punkte gut sind.
Die neue Lust am Verteidigen führt Lieberknecht auf die detaillierte Analyse der vergangenen Saison zurück. Damals kassierten die Pfälzer 47 Gegentore und wurden am Ende Sechster.
Die Stimmung in der Mannschaft stimmt
Vor allem auf das Ausmerzen der groben individuellen Fehler wurde in der Vorbereitung viel Wert gelegt, erklärte Lieberknecht. Das führte offensichtlich dazu, dass das Team in erster Linie geschlossen defensiv denkt – das Fundament für eine erfolgreiche Saison.

Dazu kommt, dass sich die Mannschaft als verschworener Haufen präsentiert. Alle Spieler werden nicht müde, den Teamgeist zu loben.
Ein Indiz für die Harmonie bei den Betze-Buben ist die Tatsache, dass Kapitän Marlon Ritter zuletzt zumeist auf der Bank saß – die Personalie aber überhaupt kein Thema ist. Bei erzielten Toren ist Ritter sogar meist als erster Gratulant beim Torschützen zu finden.

Die Profis, der Coach und die durchschnittlich rund 46.500 Fans bei den Heimspielen könnten sich also dauerhaft in den Armen liegen.
Hengen hält den Ball flach
Der große Traditionsklub der fünf Weltmeister von 1954, der zwischen 2018 und 2022 sogar in die 3. Liga abgestürzt war, könnte sich einträchtig Richtung Bundesliga-Rückkehr nach 15 Jahren Abstinenz schunkeln – wenn da nicht Thomas Hengen wäre.
Der Sport-Geschäftsführer hält vor der Partie gegen die Hertha, die wie die Pfälzer das Achtelfinale im DFB-Pokal erreicht hat, so gar nichts von der "Friede, Freude, Eierkuchen"-Stimmung bei seinem Klub.
"Ich bin in solchen Fragen nicht unterwegs", antwortete der Ex-Profi in der Rheinpfalz leicht ungehalten auf die Frage, ob der FCK denn mittlerweile eine Spitzenmannschaft sei: "Ich kann mit solchen Plattitüden nichts anfangen, weil wir nächste Woche vielleicht einen auf den Sack kriegen, und dann heißt es, 'eine Spitzenmannschaft hätte das Spiel gewonnen.' Wir tun gut daran, im Hier und Jetzt zu bleiben."
