Die ÖVV-Auswahl war gegen Bulgarien nur wenige Ballwechsel vom ersten EM-Sieg der Neuzeit entfernt. Nach einer starken Leistung in den ersten beiden Sätzen drehte der Favorit die Partie jedoch noch zum 3:2. Entsprechend zwiegespalten fielen die Reaktionen nach Spielende aus.
„Die Enttäuschung ist bei mir groß, weil wir das Spiel gewinnen hätten können“, erklärte Zuspielerin Dana Schmit. Ausschlaggebend sei aus ihrer Sicht der dritte Satz gewesen. „Wir waren in den ersten beiden Sätzen erstmals in der dominanten Rolle. Danach sind wir nicht mehr zurückgekommen. Bulgarien hatte nichts mehr zu verlieren und hat beim Service alles riskiert. Das ist gut aufgegangen.“
Auch Diana Vavrek sah den verpassten Sieg als große Chance, wollte den Blick aber auf das Positive richten. „Es war so cool, wie wir ins Spiel gekommen sind – mit gutem Service, starker Annahme und guten Angriffen. Nach dem zweiten Satz haben wir etwas nachgelassen. Aber wir können stolz auf uns sein. Unser erster Sieg war auf jeden Fall drinnen. Wir können von dieser EM mit einem guten Gefühl nach Hause fahren.“
Ähnlich fiel das Fazit von Libera Eva Stabentheiner aus. „Es war klar, dass der dritte Satz schwieriger wird als die ersten beiden. Uns ist es leider nicht gelungen, unser Niveau zu halten. Trotzdem ist es unglaublich, dass wir bei der EM noch ein Tiebreak spielen konnten. Das war heute auch unsere Chance auf einen Sieg. Bulgarien hat allerdings noch einmal einen Level draufgelegt.“
Teamchef Schwab blickt bereits Richtung EM 2028
Teamchef Roland Schwab hob vor allem die Entwicklung seiner Mannschaft während des Turniers hervor. „Hut ab vor dem Team, wie wir gestartet sind. Der zweite Satz war dann wie aus einem Guss. Ab dem dritten hat Bulgarien beim Service alles riskiert und wir hatten Probleme in der Annahme. Unterm Strich haben wir uns fast mit jedem Spiel gesteigert. Heute waren wir sogar knapp am Sieg dran.“
Für Schwab überwiegt trotz der verpassten Sensation langfristig der positive Eindruck. „Wir haben gesehen, wie viel man international riskieren muss und wie wichtig Angriffspower und Ballkontrolle sind. Das müssen wir mitnehmen, damit wir uns auch für die EM 2028 qualifizieren können.“
Der Teamchef erinnerte zudem daran, mit welchen Erwartungen Österreich in das Turnier gestartet war. „Wir sind nicht mit dem Anspruch angetreten, Europameister zu werden oder aus der Gruppe aufzusteigen. Wir haben gesehen, wie schwierig es ist, überhaupt einen Sieg zu holen. Deshalb nehmen wir diesen Punkt mit. Mit etwas Abstand werden sich alle darüber freuen – ich kann mich schon heute darüber freuen.“
Sportlich musste sich Österreich nach einer 2:0-Satzführung zwar noch mit 2:3 geschlagen geben, schrieb mit dem ersten EM-Punkt der Verbandsgeschichte aber dennoch ein weiteres Kapitel österreichischer Volleyball-Geschichte.
