In einer Neuauflage ihres berühmten Crucible-Halbfinals von 2020 (das Wilson damals knapp mit 17:16 für sich entschied) behielt der Engländer erneut die Oberhand. Diesmal geriet das Match jedoch zu einer einseitigen Angelegenheit: Mit Breaks von 77, 75 und 122 Punkten zeigte Wilson eine überzeugende Vorstellung. Am Samstagnachmittag trifft er auf Sam Craigie, der sich mit einem 6:2-Erfolg gegen Elliot Slessor zum erst zweiten Mal in seiner Karriere einen Platz in einem Ranglisten-Halbfinale sicherte.
Obwohl der 34-jährige Wilson aus Kettering in der vergangenen Saison mit den Shanghai Masters und den Masters zwei hochkarätige Einladungsturniere gewinnen konnte, tat er sich bei den Ranglistenturnieren zuletzt schwer. Überraschenderweise ist dies seine beste Platzierung seit seinem Sieg beim Players Championship im März 2025.
Wilson schielt auf den Titel
In dieser Woche präsentiert sich der Weltmeister von 2024 jedoch wieder gewohnt spielfreudig und selbstbewusst: In seinen vier Partien erzielte er bereits drei Centuries sowie acht weitere Breaks von über 50 Punkten.
Zum Match-Center: Anthony McGill vs. Kyren Wilson
In der Weltrangliste aktuell auf Platz neun geführt, liegt Wilson in der vorläufigen Wertung für die Weltmeisterschaft im April nur auf Rang 23. Um den Verbleib in den Top 16 zu sichern, benötigt er noch einige Punkte. Sollte es ihm gelingen, wie schon 2024 die Alex-Higgins-Trophäe nach Hause zu holen, würde sich seine Ausgangslage drastisch verbessern.
"Gegen Anthony musste ich heute etwas kreativer agieren", erklärte Wilson, für den es das 32. Halbfinale seiner Karriere ist und der nun seinen 11. Ranglistentitel anstrebt. "Es gab ein paar Momente, in denen ich auf Snooker oder Safety hätte spielen können. Ich habe mich aber bewusst entschieden, ins Risiko zu gehen, um den Frame direkt in einer Aufnahme zu entscheiden. Den ersten Frame konnte ich knapp stehlen. Wenn man einen guten Start erwischt, legt sich die Nervosität, man findet seinen Rhythmus, hat das Publikum im Rücken und spielt einfach befreiter auf."
"Ich habe in dieser Saison bereits einige hervorragende Matches gezeigt und starke Gegner geschlagen. Es tut gut, das hohe Niveau und die Intensität diese Woche über alle Partien hinweg zu halten. Mein Fokus liegt ganz klar auf Turniersiegen. Wenn das klappt, lösen sich alle Sorgen um die Weltrangliste von selbst."
Craigie schaffte in Deutschland den Durchbruch
"Liest man die Ergebnisse dieser Woche, sieht man viele großartige Leistungen von Spielern, denen man Siege gegen die Top 16 nicht unbedingt zugetraut hätte. Die Leistungsdichte zwischen der Spitze und dem Rest des Feldes ist heutzutage enorm eng zusammengerückt.“
Für Sam Craigie ist es erst das zweite Halbfinale bei einem Ranglistenturnier. Sein erstes erreichte er beim German Masters 2024, wo er sich Judd Trump mit 6:2 geschlagen geben musste. Der 32-Jährige stand 2024 nach einem Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich kurz vor dem Karriereende. Nach vollständiger Genesung spielt er in dieser Woche nun das vielleicht beste Snooker seiner Karriere. Derzeit auf Rang 72 geführt, hat er bereits 21.000 Pfund Preisgeld sicher und wird in der Weltrangliste mindestens sechs Plätze klettern.
Im Duell der beiden Engländer aus dem Nordosten erwischte Slessor den besseren Start und sicherte sich den Auftaktframe mit einer 80er-Break. Danach übernahm jedoch Craigie das Kommando und entschied mit Serien von 50 und 66 Punkten fünf Frames in Folge für sich.
Zum Match-Center: Sam Craigie vs. Elliot Slessor
Der siebte Frame wurde erst auf die Farben entschieden: Slessor lochte Blau und Pink zum 2:5-Anschluss. Im darauffolgenden Frame boten sich Slessor erneut Chancen, die er jedoch ungenutzt ließ – woraufhin er sein Queue frustriert auf den Boden schlug. Schließlich versenkte Craigie einen schwierigen Ball auf Braun und legte Blau sowie Pink nach, um den Matchgewinn perfekt zu machen.
"Es bedeutet mir alles, wieder in einem Halbfinale zu stehen", sagte der ehemalige U21-Weltmeister Craigie. "Natürlich hoffe ich, noch einen Schritt weiterzugehen und den Pokal zu holen. Aber es ist schön zu sehen, dass es in der Weltrangliste wieder dahin geht, wo ich vor meiner Operation war. Das war mein erstes großes Ziel."
"Im Vergleich zu den ersten Matches habe ich mich heute etwas schwerer getan, die Partie über die Ziellinie zu bringen. Morgen werde ich es genießen – hoffentlich mit vielen hohen Breaks für die Zuschauer. Die Nervosität wird kommen, aber darauf bin ich vorbereitet."
Auf seine schwere Verletzung angesprochen, fügte er hinzu: "Ich war an einem Punkt, an dem ich kurz davor war, das Queue an den Nagel zu hängen. Wegen der Schmerzen wusste ich nicht, ob sich mein Nacken jemals wieder normal anfühlen würde. Glücklicherweise hat es sich über die Wochen und Monate so weit gebessert, dass ich mich wieder schmerzfrei über den Tisch beugen und spielen kann."
