Zverev war sichtlich genervt nach der 6:7 (5:7), 2:6-Niederlage in der französischen Hauptstadt gegen Lorenzo Musetti. Von seiner eigenen Leistung, vor allem aber auch von den anhaltenden Diskussionen abseits des Platzes, die sich wie ein ziemlich fieser Kater nach der rauschenden Nummer-eins-Party auswirken. Entsprechend klar setzte er sich zur Wehr.
"Ich weiß nicht, was bei ihm gerade vorgeht, aber ich habe das Gefühl, dass er alles kommentieren muss, was ich mache", sagte Zverev auch noch zu Becker: "Wenn er der Meinung ist, dass er das braucht, dann soll er das machen."
Seit Monaten schon baut sich zwischen den beiden einzigen männlichen deutschen Weltranglistenersten in der Tennis-Historie ein öffentlicher Zwist aus, der wohl dringend mal zu einem klärenden Gespräch führen sollte.
Nun hatte Becker vor dem Beginn des Events in Paris im Spiegel-Interview unter anderem darüber sinniert, warum der 29-Jährige trotz seiner Erfolge nicht uneingeschränkt positiv in Deutschland aufgenommen werde. Becker sprach unter anderem über Zverevs Goldketten, dessen russische Wurzeln und über "schroffe und abgehackte" Interviews.
ATP Finals & Davis Cup als letzte Saisonziele
Zverev passen derlei öffentliche Äußerungen just zum Höhepunkt seines sportlichen Schaffens kaum in den Kram, wie er unmissverständlich klarmachte. "Ich glaube, dass er momentan einfach nach allem sucht, um mich ein bisschen runterzumachen. Das kann er machen, das ist seine Entscheidung", sagte er. Er empfinde entgegen Beckers Aussagen durchaus Anerkennung.
Was Zverev, der nun in den ATP Finals und der Finalrunde des Davis Cup noch zwei große Ziele in der erfolgreichsten Saison seiner Karriere hat, ebenso ärgert, sind die Diskussionen darüber, ob er verdient auf dem Tennis-Thron sitzt. "Ich habe das Gefühl dass ich als einziger Weltranglistenerster der Tennisgeschichte erklären muss, weshalb es okay ist, dass ich die Nummer eins der Welt bin", sagte der French-Open- und US-Open-Sieger: "Das finde ich ziemlich schwierig. Ich verdiene es dort zu stehen, wo ich jetzt bin."
Hintergrund ist das lange Fehlen von Jannik Sinner und Carlos Alcaraz in dieser Saison, was gerade in den Sozialen Medien diskutiert wird. Gegen Top-10-Spieler hat Zverev eine deutlich negative Bilanz - und sich dennoch die Eins dennoch verdient. So richtig genießen kann er das Erreichen des Karriere-Meilensteins aktuell aber nicht.
