Debütsaison voller Hürden: Warum Wirtz seinen Mega-Wechsel zu Liverpool nicht bereut

Florian Wirtz hat seine erste Saison in der Premier League reflektiert.
Florian Wirtz hat seine erste Saison in der Premier League reflektiert.REUTERS/Phil Noble

Als Florian Wirtz im vergangenen Sommer für die vereinsinterne Rekordsumme von über 115 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zu Liverpool wechselte, waren die Erwartungen gigantisch. Doch die erste Spielzeit an der Anfield Road verlief für den deutschen Nationalspieler und sein Team turbulent und titellos. In einem Interview mit "The Athletic" zog der 23-Jährige nun eine offene Bilanz über sein erstes Jahr in der Premier League, den Umgang mit massiver Kritik und die Unruhen rund um Superstar Mohamed Salah.

Trotz 48 Pflichtspieleinsätzen, sieben Toren und acht Vorlagen stand Wirtz in England schnell im Fokus der Kritik – ein Novum in der bisherigen Karriere des erfolgsverwöhnten Offensivspielers. Dennoch bereut er den Schritt nach England keineswegs: "Ich bereue überhaupt nichts. Ich bin immer noch froh, hier zu sein. Ich habe große Ziele für die nächste Saison, weil diese Saison nicht wie geplant verlaufen ist."

Wirtz gab offen zu, dass der Gegenwind in den englischen Medien und Fanlagern eine neue Erfahrung für ihn war. "Ich habe in dieser Saison viel Kritik bekommen, besonders am Anfang. Aber es hat mich nicht so sehr berührt. Ich habe die Zeit einfach genutzt, um zu lernen, wie man mit solchen Dingen umgeht. Das hatte ich vorher noch nie wirklich erlebt."

Dabei spiegeln die reinen Scorerwerte seine Leistung nur bedingt wider. Mit 57 herausgespielten Großchancen aus dem laufenden Spiel heraus gehört Wirtz zu den kreativsten Akteuren der gesamten Premier League. Bei Liverpool kreierte seit Dirk Kuyt in der Saison 2006/07 kein Neuzugang mehr Chancen in seiner Debütsaison.

Extraschichten im Kraftraum

Ein Grund für die anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten war die enorme Physis in der Premier League. Wirtz erklärte, dass er physisch zulegen musste, um im englischen Oberhaus zu bestehen, das immer direkter und zweikampfintensiver wird.

"Mein Spielstil basierte vorher normalerweise darauf, nicht zu viel Körperkontakt zu haben und mich in Räume zu bewegen. Hier muss man jedes Mal stark sein, wenn man den Ball hat. Ich habe meine Arbeit im Fitnessstudio gemacht, um ein paar Muskeln aufzubauen, aber nicht zu viel. Kein wirkliches Aufpumpen, aber ja, ich musste etwas stärker werden."

"Salah-Eklat"? Wirtz verteidigt den Superstar

Für besonderes Aufsehen sorgte zuletzt ein Social-Media-Post von Mohamed Salah, in dem dieser die Leistungen des Teams scharf kritisierte und eine Rückkehr zum "Heavy-Metal-Fußball" aus der Ära von Jürgen Klopp forderte. Da dies als direkter Angriff auf den aktuellen Trainer Arne Slot gewertet wurde, sorgte ein "Like" von Wirtz unter dem Post für Spekulationen über Risse im Team. Wirtz wiegelte im Interview jedoch ab:

"Nein, überhaupt nichts in der Art. Ich mag Mos Mentalität im Allgemeinen – wie er die Dinge sieht, wie er arbeitet. Er ist ein Typ, dem man zuhören kann, weil er schon viel gesehen hat. Er hat niemanden angegriffen. Für mich war es einfach eine Sache, die er sagen wollte, weil er geht. Er wollte alle im Verein wachrütteln, dass wir mehr arbeiten und es besser machen müssen."

Gleichzeitig stärkte Wirtz Trainer Arne Slot den Rücken und betonte, dass die Mannschaft geschlossen hinter dem Coach stehe: "Die Außenwelt versucht immer, etwas zwischen dem Team und dem Manager zu konstruieren. Aber in diesem Gebäude ist das völlig anders."

Fokus auf die Weltmeisterschaft mit DFB-Team

Nach dem letzten Saisonspiel gegen Brentford, bei dem Liverpool die Champions-League-Qualifikation endgültig sichern will, reist Wirtz direkt ins Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft. Nachdem er die WM 2022 in Katar wegen eines Kreuzbandrisses verpasst hatte, brennt er nun auf sein erstes großes WM-Turnier. unter Julian Nagelsmann nimmt er eine Schlüsselrolle ein.

"Ich freue mich sehr auf meine erste Weltmeisterschaft. Ich bin in guter Form. Dieses Mal möchte ich eine große Rolle spielen, Verantwortung übernehmen und helfen, das Team zu führen. Hoffentlich wird es ein toller Sommer."

Als Top-Favoriten sieht er Deutschland zwar nicht ("Wir haben eine gute Mannschaft, aber ich würde nicht sagen, dass wir die Favoriten sind"), doch der Sommer soll für den Mittelfeldstar der Startschuss für ein noch erfolgreicheres zweites Jahr in England sein.