Die Ausgangslage für die Mannschaft von Toto Wolff ist komfortabel: Mercedes geht mit 126 Punkten Vorsprung auf Ferrari ins Wochenende auf dem Traditionskurs von Interlagos in São Paulo. Holen Antonelli und Russell am Sonntag drei Punkte mehr als die italienische Konkurrenz, sichern sie Mercedes den neunten Konstrukteurstitel der Teamgeschichte – den ersten seit der Serie von 2014 bis 2021.
Für George Russell geht es in den verbleibenden vier Saisonrennen auch um Wiedergutmachung. Der 28-jährige Briten-Star, der als Titelfavorit in das Jahr gestartet war, musste sich seinem erst 20-jährigen Teamkollegen Antonelli deutlich geschlagen geben. Nach einem enttäuschenden sechsten Platz in Mexiko rutschte Russell mit 250 Zählern auf Rang vier der Gesamtwertung ab.
"Ich verspreche, dass ich in diesem und im nächsten Jahr alles geben werde, um wieder an meine gewohnte Leistung anzuknüpfen", gab sich Russell selbstkritisch. Neben anhaltendem Pech und technischen Defekten zollte er aber auch dem neuen Weltmeister Respekt. Teamchef Toto Wolff räumte unterdessen ein, Russell in dieser Saison phasenweise "im Stich gelassen" zu haben.
Spannung im Kampf um Platz zwei
Im WM-Endspurt, der nach Brasilien noch Stationen in Las Vegas, Katar und Abu Dhabi vorsieht, liegt Russell knapp hinter seinem Landsmann Lewis Hamilton (259 Punkte) und Max Verstappen (261 Punkte). Der vierfache Champion Verstappen stellte nach einer schwierigen ersten Saisonhälfte dank des wiedererstarkten Red Bull seine Klasse unter Beweis und feierte in Mexiko seinen dritten Sieg aus den letzten vier Rennen.
Antonelli selbst krönte seine überragende zweite Formel-1-Saison mit Platz drei in Mexiko. Neun Rennsiege bescherten dem Italiener nicht nur den WM-Titel, sondern machten ihn auch zum ersten italienischen Weltmeister seit Alberto Ascari 1953. Unvergesslich bleibt das Bild der Siegerehrung, als der junge Champ von den beiden Routiniers Hamilton (41) und Verstappen (29) auf dem Podium in die Höhe gestemmt wurde. "Dieses Foto werde ich mir zu Hause einrahmen. Es war ein unglaublicher Moment", schwärmte der Schützling von Toto Wolff.
Zündstoff bei Ferrari, Fahrerwechsel bei Haas
Für Brisanz sorgt weiterhin das Duell der beiden Ferrari-Piloten. Hamilton liegt in der Wertung nur knapp vor Charles Leclerc (245 Punkte). Nach einer Beinahe-Kollision beim Start in Mexiko warfen sich die Teamkollegen gegenseitig vor, mit zu hohem Risiko gefahren zu sein.
Sorgen ganz anderer Art prägen das Bild bei Haas: Das US-Team trennte sich im Zuge der Amerika-Tournee mit sofortiger Wirkung von Esteban Ocon. Nach Gerüchten über ein Zerwürfnis mit Teamchef Ayao Komatsu wird der 30-jährige Franzose beim Heimrennen in São Paulo durch das brasilianische Nachwuchstalent Rafael Camara ersetzt. Der 21-jährige Ferrari-Junior feiert damit sein Formel-1-Debüt.
