Max Verstappen musste bis in die verregneten Wälder der Eifel reisen, um sich mal wieder wie ein Sieger zu fühlen. 350.000 Fans kamen an die Nordschleife, der Star aus der Formel 1 hatte für diesen Rekord gesorgt - und am Ende verhinderte nur die streikende Technik Verstappens fast schon sicheren Triumph beim 24-Stunden-Debüt.
Der Abstand wird immer kleiner
"Ich habe diese Erfahrung trotzdem sehr genossen", sagte der Niederländer, es war schließlich auch ein willkommener Ausbruch aus dem motorsportlichen Alltag. Der geht an diesem Wochenende in Montréal weiter, in der Formel 1 wartet Verstappen schon das ganze Jahr auf einen Sieg - der Red-Bull-Pilot ist damit aber immerhin in prominenter Gesellschaft: Weltmeister Lando Norris und sein McLaren-Kollege Oscar Piastri, Charles Leclerc und Lewis Hamilton in den Ferrari, sie alle verzweifeln an der Dominanz von Mercedes. Bislang zumindest.
Denn im Fahrerlager auf der Ile Notre-Dame macht sich das Gefühl breit, dass dieses Wochenende in Kanada die Wende bringen könnte. Kimi Antonelli gewann zuletzt dreimal in Folge, George Russell im anderen Silberpfeil muss seinen jungen Teamkollegen dringend mal wieder schlagen, und nicht nur dieses interne Duell birgt Chancen für die Konkurrenz.
Erdrückend war Mercedes nur zu Beginn der Saison, schon zuletzt in Miami ergab sich ein ganz anderes Bild. McLaren, Red Bull und Ferrari hatten die einmonatige Pause genutzt, um große Updates an die Autos zu bringen, und das wirkte offensichtlich: Den Sprint gewann Norris vor Piastri und Leclerc, im Qualifying war Verstappen plötzlich ganz nah dran an Pole-Setter Antonelli. Der gewann dann zwar den Grand Prix, musste sich aber schwer gegen Norris zur Wehr setzen.
Mercedes ist gefordert
Alle drei anderen Topteams waren also zumindest phasenweise wieder in Schlagdistanz, ein Wettlauf abseits der Strecke ist damit eröffnet: "Wir haben gesehen, dass diese Saison ein Entwicklungsrennen wird", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Vor allem der Weltmeister-Rennstall McLaren darf nun als erster Herausforderer gelten. Das Team um Norris bringt gleich die nächsten umfangreichen Upgrades mit nach Kanada, unter anderem für Unterboden, Front- und Heckflügel.
Mercedes ist nun gefordert. "Unsere Konkurrenten haben einen Schritt nach vorne gemacht, und darauf müssen wir reagieren", sagt Wolff, "wir bringen unser erstes Update-Paket des Jahres nach Montréal mit." Viel Zeit zur Eingewöhnung bleibt in Kanada niemandem, es ist mal wieder ein Sprint-Wochenende: Nur ein freies Training gibt es, am Samstag (18.00 Uhr MESZ) geht es im Kurzrennen bereits um Punkte, am Sonntag (22.00 Uhr MESZ/jeweils Sky) folgt der Grand Prix.
Max Verstappen ist dabei auch in Kanada ein ziemlich geheimer Geheimtipp, die Chancen wirken aber größer als bislang. Und was der viermalige Weltmeister leisten kann, so lange das Auto mitspielt, daran hat er in der Eifel erinnert.
