Es ist ja nicht so, dass Roberto Mancini nicht weiß, was zu tun ist. Im Mai 2018 – als die stolze Squadra Azzurra die Teilnahme an der WM in Russland so schmählich verpasst hatte, schmiss er umgehend seinen Job als Trainer von Zenit St. Petersburg hin und sich der "Liebe meines Lebens" an den Hals.
Mit Erfolg: Bei der wegen Corona um ein Jahr verschobenen paneuropäischen EM holte Italien 2021 den Titel.
Fünf Jahre später, nach einem "Betrug", zwei weiteren verpassten WM-Endrunden und monatelangem Chaos, soll Mancini die geschundene italienische Fußball-Seele auch ein zweites Mal heilen.

"Ich bin hier, um zu gewinnen"
Das Projekt werde von Erfolg gekrönt sein, versichert der 61-Jährige: "Ich bin hier, um zu gewinnen, und ich bin sicher, dass wir einige großartige Augenblicke genießen werden."
Mancini steht unter strenger Beobachtung. Was zunächst an seinem unrühmlichen Abgang 2023 liegt, als er Italien geradezu fluchtartig den Rücken zukehrte und dem Lockruf saudi-arabischen Geldes folgte.
Der "Verräter" versicherte nach seiner neuerlichen Berufung umgehend, die Geschichte täte ihm leid, "das italienische Trikot war mir immer sehr wichtig. Es war, als hätte ich die Liebe meines Lebens verloren."
Alte Wunden, neue Wege
Der Groll der Italiener ist freilich längst nicht verflogen. Als nach den Absagen von Pep Guardiola und Carlo Ancelotti, der Absage des Verbandes an Andrea Pirlo und dem folgenden Rücktritt des gerade erst installierten Technischen Direktors Paolo Maldini die Wahl auf Mancini fiel, rissen alte Wunden auf.
"Betrug" sei das damals gewesen, schimpfte etwa der Corriere dello Sport: "Entschuldigungen sind nicht genug!"

Die Wogen glätten kann wohl nur schneller Erfolg. In der Nations League trifft Italien zunächst am Freitag auf Belgien, dann auf die Türkei und Frankreich.
Dafür hat Mancini einen XL-Kader berufen. Zu den 34 Nominierten gehören neun Neulinge, unter anderem Mohamed Ali Zoma vom 1. FC Nürnberg. Das sieht zumindest im Ansatz danach aus, als breche eine neue Zeitrechnung an.

"Ich denke, es ist richtig, junge Spieler dabeizuhaben, damit wir sie gleich kennenlernen", sagt Mancini, "wir müssen schnell herausfinden, welche Spieler in den kommenden vier Jahren bei uns sein werden."
