Trotz Schiri-Kritik bei der WM: Felix Zwayer verliert offenbar das Vertrauen der FIFA

Zwayer pfiff das Spiel zwischen den USA und Australien
Zwayer pfiff das Spiel zwischen den USA und AustralienREUTERS/Lee Smith

Den geplatzten WM-Traum von Cristiano Ronaldo erlebte Felix Zwayer zumindest aus nächster Nähe. Beim Achtelfinal-Aus Portugals gegen Spanien war der deutsche Schiedsrichter als Vierter Offizieller im Einsatz und kümmerte sich an der Seitenlinie um die Ordnung.

Mehr Verantwortung bekam Zwayer in der K.o.-Phase der Weltmeisterschaft allerdings nicht. Für den Berliner ist das eine Enttäuschung – ebenso für das deutsche Schiedsrichterwesen, das bei diesem Turnier nur mit einem Referee vertreten ist.

Zwayer erlebt WM-K.o.-Runde nur von der Seitenlinie aus

Obwohl die Schiedsrichterleistungen während der entscheidenden Turnierphase immer wieder für Diskussionen sorgten, blieb Zwayer bei den Spielen im Sechzehntel-, Achtel- und Viertelfinale außen vor. Insgesamt kommt der 45-Jährige bislang nur auf zwei Einsätze in der Vorrunde.

Zwayer in VAR-Action: Während dem Spiel zwischen der D.R. Kongo und Usbekistan
Zwayer in VAR-Action: Während dem Spiel zwischen der D.R. Kongo und UsbekistanIMAGN IMAGES via Reuters/Scott Kinser

Sein letzter Auftritt als Hauptschiedsrichter liegt bereits fast zwei Wochen zurück. Zwar befindet sich Zwayer weiterhin im Schiedsrichter-Camp der FIFA in Miami, doch ein Einsatz in den entscheidenden Begegnungen um den WM-Titel erscheint zunehmend unwahrscheinlich. Der Weltverband dürfte in den wichtigsten Spielen kaum auf einen Unparteiischen setzen, der bislang kein K.o.-Spiel geleitet hat.

Über die Gründe für das offenbar fehlende Vertrauen der FIFA-Verantwortlichen um Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina kann nur spekuliert werden. Beobachter schließen jedoch nicht aus, dass auch die öffentliche Kritik von DFB-Präsident Bernd Neuendorf an den Entscheidungen rund um den "Fall Folarin Balogun" eine Rolle gespielt haben könnte.

Alte Debatten und neue Zweifel: Warum Zwayer im Fokus steht

Für Zwayer wäre ein frühes WM-Ende besonders bitter. Der Berliner hatte lange auf seine Chance bei einer Weltmeisterschaft gewartet und war bereits zuvor in eine große öffentliche Diskussion geraten. Vor viereinhalb Jahren wurde seine Verbindung zum Manipulationsskandal um Robert Hoyzer erneut thematisiert. Auslöser war eine Aussage von Jude Bellingham nach der Bundesliga-Partie zwischen Borussia Dortmund und Bayern München.

"Man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal Spiele verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland", sagte der damalige Dortmunder Profi nach der 2:3-Niederlage gegen den Rekordmeister. Die anschließende Debatte belastete Zwayer so stark, dass er zwischenzeitlich sogar über ein Ende seiner Schiedsrichterkarriere nachdachte.

Letztlich entschied er sich gegen diesen Schritt. Schiedsrichter-Chef Knut Kircher unterstützte die WM-Nominierung seines Kollegen ausdrücklich und bezeichnete sie vor dem Turnier als "höchst verdient". "Er ist sehr professionell in seiner Einstellung auf und neben dem Platz", sagte Kircher dem SID. "Er hat sehr, sehr hohe Grundlagen von Fitness, Regelkenntnis und Spielvorbereitung, das zeichnet ihn aus."

UEFA lobt – FIFA setzt offenbar nicht auf den Deutschen

Auf europäischer Ebene hatte Zwayer zuletzt deutlich mehr Anerkennung erfahren. Bei der Heim-Europameisterschaft 2024 erhielt der Immobilienkaufmann positive Bewertungen und leitete insgesamt vier Partien. Als Höhepunkt folgte der Einsatz im Halbfinale zwischen England und den Niederlanden, das England mit 2:1 gewann. Auch die UEFA setzte damit ein Zeichen des Vertrauens in den deutschen Schiedsrichter.

Bei der FIFA scheint die Einschätzung derzeit anders auszufallen. So könnte am Ende ausgerechnet eine Verletzungspause beim WM-Debüt in der Partie zwischen Co-Gastgeber USA und Australien, die die USA mit 2:0 gewannen, der letzte bleibende Eindruck von Zwayers Turnier sein.

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