Seine beeindruckenden Leistungen bescherten ihm folgerichtig die Auszeichnung zum "Rookie of the Year", nachdem er sich in einem Kopf-an-Kopf-Rennen gegen seinen ehemaligen Duke-Teamkollegen Kon Knueppel durchgesetzt hatte. Das Voting war knapper als vermutet, da der Scharfschütze aus Charlotte mehrere Dreier-Rekorde pulverisierte. Doch Flagg entschied das Duell mit einem fulminanten Schlussspurt: Im April explodierte er förmlich mit Gala-Vorstellungen von 51, 45 und 33 Punkten, was ihm einen Monatsdurchschnitt von 29,2 Zählern einbrachte.
Zwar verpassten die Dallas Mavericks die Playoffs, doch Flaggs Debütsaison hinterlässt bleibenden Eindruck. Der 2,06 Meter große Allrounder gab alles für sein Team: Er agierte phasenweise als Point Guard, dominierte kleinere Gegenspieler, traf aus der Distanz und setzte defensiv wie offensiv Akzente. Am Ende verbuchte er starke Statistiken von 21 Punkten, 6,7 Rebounds, 4,5 Assists und 1,2 Steals pro Spiel, bei einer Feldwurfquote von 46,8 %.
Nach dem Gewinn der ROY-Trophäe folgte das Lob vom Größten der Vereinsgeschichte: Dirk Nowitzki. "Mit 2,06 Metern als Point Guard zu starten, ist ein Novum. Er hat ein unglaubliches Jahr gespielt und das Team in fast allen relevanten Kategorien angeführt. Das haben vor ihm erst zwei andere Rookies geschafft. Er legt als Teenager historische Zahlen auf – und das Verrückte ist: Er ist erst 19", schwärmte Nowitzki. "Absolut verdient, Cooper. Wir sind stolz auf dich."
Nowitzki selbst bündelt eine Ära voller Erfolge – vom Titel 2011 bis zum MVP-Award 2007. Doch selbst die deutsche Legende war in seinem ersten Jahr nicht der beste Rookie. Flagg reiht sich nun neben Jason Kidd und Luka Dončić als dritter Maverick ein, dem diese Ehre zuteilwurde. Zudem ist er der erste Neuling seit Michael Jordan (1984/85), der sein Team in vier statistischen Hauptkategorien anführte.
"Das bedeutet mir alles", gestand Flagg sichtlich bewegt. "Jeder Rookie kämpft das ganze Jahr für diese Anerkennung. Sie ist der Lohn für die harte Arbeit und die unzähligen Stunden, die ich mein ganzes Leben lang investiert habe, um genau hier zu stehen."
Mit dem Titel schrieb Flagg zudem Sportgeschichte: Er ist der erste Spieler, der nacheinander National High School Player of the Year, NCAA Player of the Year und NBA Rookie of the Year wurde. Drei Jahre, drei große Titel – und das alles, bevor er Ende Dezember seinen 20. Geburtstag feiert.
Obwohl er erst 19 ist, agiert Flagg bereits wie ein abgeklärter Routinier. Als er als "Generational Talent" nach Dallas kam, waren die Erwartungen der Fans gigantisch. Die Mavericks, die zuletzt strauchelten, suchten händeringend nach einem neuen Heilsbringer.
Flagg duckte sich trotz seines jungen Alters nicht weg, sondern übernahm sofort die Führung. Er hat bewiesen, dass er in diese Liga gehört – doch sein Blick ist bereits nach vorne gerichtet. "Man kann sich in jedem Bereich verbessern. Offensiv, beim Ballhandling und beim Spielverständnis auf diesem hohen Level gibt es noch viel Raum für Wachstum. Ich freue mich darauf, wieder in die Halle zu gehen und von den erfahrenen Jungs zu lernen", so Flagg ehrgeizig. Sein Ziel ist klar: die Larry O’Brien Trophy zurück nach Texas zu holen.
Sein Potenzial strahlt weit über das Parkett hinaus. Head Coach Jason Kidd fordert ihn täglich dazu auf, als Leader voranzugehen. Kidd schätzt vor allem Flaggs Uneigennützigkeit: "Ihm geht es nicht um individuelle Auszeichnungen, sondern ums Gewinnen. Er hat dieses Jahr eine enorme Last getragen und sich jeder Herausforderung gestellt. Er wird einer der ganz Großen werden."
Dabei stammt Flagg aus eher bescheidenen Verhältnissen. Geboren in Newport, Maine – einer Kleinstadt mit nur 3.200 Einwohnern –, deutete zunächst wenig auf eine Weltkarriere hin. Doch Cooper dominierte von klein auf: Schon in der dritten Klasse schlug er sich erfolgreich gegen Sechstklässler durch.
Das Talent liegt in der Familie – beide Eltern spielten College-Basketball. Doch vielleicht war es vor allem sein Fleiß, der ihn auszeichnete. Schon als Fünfjähriger beherrschte er komplexe Drills. Während andere Kinder spielten, lag Cooper vor dem Fernseher und studierte die Dynastien der NBA. Seine Eltern schenkten ihm DVDs der Boston Celtics von 1985/86, die er in Dauerschleife sah.
Besonders faszinierten ihn nicht nur die Körbe von Larry Bird oder Magic Johnson, sondern die kleinen Details: wie Bird Blöcke stellte, sich nach freien Bällen warf oder den perfekten Pass spielte. Genau diese Vielseitigkeit prägt heute sein Spiel.
Nach einer dominanten Zeit an der Nokomis Regional High School und der Elite-Schmiede Montverde Academy entschied sich Flagg 2023 für Duke. Auch dort übernahm er sofort das Kommando, wurde ins First Team All-American gewählt und zum National Player of the Year gekürt.
Die letzte Mission
Sein einziges College-Jahr endete jedoch mit einem Wermutstropfen: Trotz eines souveränen Marsches ins Final Four scheiterte Duke im Halbfinale knapp an den Houston Cougars. Doch viel Zeit zum Trauern blieb nicht – sein Weg als "One-and-Done"-Spieler und sicherer Nummer-1-Pick war bereits vorgezeichnet.
Heute ist sein Name bereits fest in den Geschichtsbüchern verankert. Mit seiner Athletik und seinem unermüdlichen Einsatz ist er ein Garant für Highlights. Jetzt bleibt nur noch eine Aufgabe: Dallas zurück in die Weltspitze zu führen und erneut nach dem NBA-Titel zu greifen.
