NBA: Orlando verpasst ohne Wagner die Entscheidung – Schröder brilliert für Cleveland

Orlandos Paulo Banchero am Ball gegen die Detroit Pistons
Orlandos Paulo Banchero am Ball gegen die Detroit PistonsGREGORY SHAMUS / GETTY IMAGES VIA AFP

Eine herausragende Vorstellung von Cade Cunningham hat das NBA-Playoff-Rennen der topgesetzten Detroit Pistons am Leben gehalten. Während das Team des 24-Jährigen gegen die Orlando Magic ohne Franz Wagner zum 2:3 kam, brillierte Dennis Schröder für die Cleveland Cavaliers. Hier ist das Wichtigste aus der Nacht.

Detroit Pistons 116:109 Orlando Magic

In Detroit weigert sich das Top-Team der Pistons beharrlich, die Segel zu streichen. In einem nervenaufreibenden fünften Spiel gegen die Orlando Magic hieß es am Ende 116:109 für die Hausherren. Damit verkürzen die Pistons in der Serie auf 2:3 und verhindern vorerst das vorzeitige Aus. Besonders bemerkenswert: Die Magic setzen ihre Negativserie in Spiel 5 auf fremdem Parkett fort und stehen nun bei einer historischen Bilanz von 0:10 in solchen Situationen.

Der Abend entwickelte sich zu einem Schlagabtausch zweier ehemaliger Nummer-1-Draftpicks. Cade Cunningham lieferte für Detroit eine Leistung für die Geschichtsbücher ab und stellte mit 45 Punkten einen neuen Franchise-Playoff-Rekord auf. Doch damit war er war nicht allein: Auf der Gegenseite hielt Paolo Banchero mit ebenfalls 45 Punkten (Karrierebestwert in den Playoffs) dagegen. Am Ende gab die Nervenstärke an der Freiwurflinie den Ausschlag: während Cunningham makellose 14 von 14 verwandelte, ließ Banchero sieben bittere Punkte an der Linie liegen.

Die Pistons schöpfen nun Hoffnung aus ihrer eigenen Historie. Bereits im Jahr 2003 gelang es Detroit als Nummer-1-Seed, einen 1:3-Rückstand gegen Orlando noch zu drehen – es war das erste von nur sieben Malen in diesem Jahrhundert, dass ein solches Comeback in der NBA glückte. Dass Orlando diesmal ohne den verletzten Franz Wagner (Wadenzerreung) antreten musste, spielte den Pistons zusätzlich in die Karten, auch wenn die Magic durch Anthony Black und Desmond Bane bis zum Schluss gefährlich blieben.

Taktisch zeigten sich die Pistons von Beginn an hellwach und führten zeitweise mit 17 Punkten. Zwar kam Orlando durch Bancheros sechsten Dreier kurz vor Schluss noch einmal bis auf drei Zähler heran, doch Cunninghams eiskalter Stepback-Jumper 32 Sekunden vor dem Ende besiegelte den Erfolg. Am Freitagabend wandert die Serie nun zurück nach Orlando, wo die Magic ihren zweiten Matchball nutzen wollen.

Cleveland Cavaliers 125:120 Toronto Raptors

In Cleveland haben die Cavaliers das Momentum zurückerobert und sich eine 3:2-Führung in der Serie gegen die Toronto Raptors erkämpft. Beim 125:120-Sieg bewiesen die "Cavs" vor allem im Schlussviertel einen kühlen Kopf, während Toronto zur Unzeit die Zielgenauigkeit verlor. Besonders bitter für die Raptors: All-Star Brandon Ingram musste die Partie bereits im zweiten Viertel mit einer Fersenentzündung verlassen, was eine große Lücke in die Offensive der Kanadier riss.

Lange Zeit sah es so aus, als könnten die Raptors den Auswärtssieg entführen. Mit einer 74:67-Führung zur Halbzeit und einem starken Start in das dritte Viertel hielten RJ Barrett (25 Punkte) und die Rookies Ja’Kobe Walter sowie Jamal Shead die Gäste auf Kurs. Doch Cleveland ließ sich nicht abschütteln und ging trotz eines knappen Rückstands motiviert in den finalen Spielabschnitt.

Dort schlug die Stunde von Dennis Schröder. Der deutsche Nationalmannschaftskapitän übernahm im vierten Viertel die Kontrolle und erzielte 11 seiner insgesamt 19 Punkte in der entscheidenden Phase. Unterstützt wurde er von Evan Mobley, der nicht nur 23 Zähler sammelte, sondern im letzten Viertel zwei wichtige Dreier versenkte. Ein 8:0-Lauf der Cavaliers zu Beginn des Schlussviertels drehte das Spiel endgültig zugunsten der Gastgeber.

Während Cleveland in der Crunchtime aufdrehte, erkaltete Toronto zur Unzeit: Die ersten elf Versuche im vierten Viertel landeten allesamt nicht im Korb. Insgesamt trafen die Raptors im letzten Abschnitt nur magere 7 von 28 Schüssen aus dem Feld. Cleveland hingegen agierte effizient und sicherte sich so den Sieg. Am Freitag haben die Cavaliers in Toronto nun die erste Chance, den Sack zuzumachen und in die zweite Runde einzuziehen.

Los Angeles Lakers 93:99 Houston Rockets

Eigentlich war die Messe schon gelesen. Nach einem 0:3-Rückstand in der Serie gegen die Los Angeles Lakers standen die Houston Rockets bereits mit anderthalb Beinen im Sommerurlaub. Doch wer glaubte, die Texaner würden sich kampflos ihrem Schicksal ergeben, hat die Rechnung ohne Jabari Smith Jr. und Tari Eason gemacht. Mit einem kampfbetonten 99:93-Sieg in Spiel 5 verkürzte Houston den Serienstand auf 2-3 und schickte eine deutliche Botschaft an die Glamour-Truppe aus L.A.: Wir sind noch da, und wir haben gerade erst angefangen.

Jabari Smith Jr. ging voran und lieferte mit 22 Punkten eine Galavorstellung ab, flankiert von Tari Eason, der von der Bank kommend 18 Zähler beisteuerte. Besonders beeindruckend ist dieser Erfolg, wenn man bedenkt, dass Houston weiterhin auf seinen Superstar Kevin Durant verzichten muss. Alperen Sengün schrammte zudem mit 14 Punkten, neun Rebounds und acht Assists nur haarscharf an einem Triple-Double vorbei und bewies, dass die Rockets auch ohne Durant eine funktionierende Einheit sind. Mit dieser geschlossenen Teamleistung zwangen sie die Serie zurück nach Houston, wo am Freitagabend Spiel 6 wartet.

Auf der Gegenseite erlebten die Lakers einen Abend zum Vergessen, der sich trotz der Rückkehr von Austin Reaves wie ein Albtraum anfühlte. Reaves, der nach neun Spielen Verletzungspause und einer Bauchmuskelzerrung wieder auf dem Parkett stand, zeigte mit 22 Punkten zwar eine starke Leistung, konnte aber die allgemeine Schludrigkeit seines Teams nicht kompensieren. 15 Ballverluste brachten die Lakers immer wieder aus dem Rhythmus. Es war erst die zweite Heimniederlage in den letzten 16 Spielen für das Team aus Kalifornien.

In der Schlussphase wurde es noch einmal dramatisch, als LeBron James, der 17 seiner 25 Punkte nach der Pause erzielte, die Lakers auf 85:88 heranführte. Doch dann kam der Moment von Rookie Reed Sheppard: Erst traf er einen wichtigen Wurf, dann klaute er dem "King" höchstpersönlich den Ball und schloss per Dunk ab. Da Luka Doncic weiterhin mit einer Oberschenkelverletzung zuschauen muss und James in den letzten Sekunden verzweifelte Dreier vergab, steht nun fest: Der Druck wandert zurück nach Hollywood. Noch nie hat ein Team einen 0:3-Rückstand gedreht, aber Houston hat bereits den halben Weg geschafft.