NBA: Knicks schicken Hawks hochkant nach Hause – 76ers erzwingen Spiel 7 in Boston

Die New York Knicks stehen nach einem Kantersieg in Spiel 6 in der nächsten Runde der NBA-Playoffs.
Die New York Knicks stehen nach einem Kantersieg in Spiel 6 in der nächsten Runde der NBA-Playoffs.KEVIN C. COX / GETTY IMAGES VIA AFP

Der deutsche Basketball-Profi Ariel Hukporti hat mit den New York Knicks per Rekordsieg das Viertelfinale der NBA-Playoffs erreicht. In Spiel sechs der Achtelfinalserie gelang mit dem 140:89 bei den Atlanta Hawks der entscheidende vierte Sieg zum 4:2 in der Best-of-Seven-Serie - es war der höchste Playoff-Erfolg in der Franchise-Geschichte. In der nächsten Runde kommt es zum Duell mit Rekordmeister Boston Celtics oder den Philadelphia 76ers, die nach dem 106:93-Heimsieg den 3:3-Ausgleich schafften.

Atlanta Hawks 89:140 New York Knicks

Die New York Knicks haben im Madison Square Garden die Geschichtsbücher der NBA mit dem Vorschlaghammer neu geschrieben. Beim 140:89-Sieg gegen die Atlanta Hawks in Spiel 6 demütigten die Knicks ihren Gegner nach allen Regeln der Kunst und feierten den höchsten Playoff-Sieg ihrer Franchise-Geschichte. Schon zur Halbzeit war die Messe gelesen: Mit einer 47-Punkte-Führung stellten die New Yorker einen neuen Allzeit-Rekord für die höchste Halbzeitführung in der Postseason auf.

Angeführt wurde dieser Express von einem entfesselten OG Anunoby, der in nur 27 Minuten Spielzeit 29 Punkte markierte – 26 davon bereits in der ersten Hälfte. Karl-Anthony Towns glänzte derweil als uneigennütziger Fixpunkt und verbuchte sein zweites Triple-Double der Serie (12 Punkte, 11 Rebounds, 10 Assists). Die Überlegenheit war so erdrückend, dass die Knicks-Starter bereits kurz vor Ende des dritten Viertels Feierabend machen durften, nachdem das Team die 100-Punkte-Marke bereits nach knapp 28 Minuten geknackt hatte.

Die Frustration auf Seiten der Hawks entlud sich Mitte des zweiten Viertels in einer handfesten Rangelei. Dyson Daniels und New Yorks Mitchell Robinson wurden beide des Feldes verwiesen, nachdem sie sich nach zwei Freiwürfen in die Haare bekommen hatten. Es war das letzte Aufbäumen einer Atlanta-Mannschaft, die gegen die New Yorker Defensive kein Mittel fand: Die Hawks trafen in der ersten Halbzeit lediglich 12 ihrer 39 Würfe und leisteten sich 14 Ballverluste, was Jalen Johnson nach dem Spiel als "tiefes Loch" bezeichnete.

Nachdem die Knicks in der Serie bereits mit 1:2 zurückgelegen hatten, bewiesen sie mit drei Siegen in Folge Charakterstärke. Nun wartet New York entspannt auf den Sieger des Duells zwischen Boston und Philadelphia, während die 51-Punkte-Gala als sechsthöchster Sieg der NBA-Playoff-Geschichte in die Annalen eingeht.

Philadelphia 76ers 106:93 Boston Celtics

In Philadelphia weigert sich ein Team beharrlich, in den Urlaub zu gehen. Die 76ers besiegten die Boston Celtics in Spiel 6 mit 106:93 und erzwingen damit ein alles entscheidendes siebtes Spiel im TD Garden. Es ist eine kleine Sensation, wenn man bedenkt, dass die Sixers in dieser Serie bereits zweimal mit 32 Punkten Unterschied abgeschossen wurden. Doch Tyrese Maxey mit 30 Punkten und ein wiedererstarkter Paul George sorgten dafür, dass die Hoffnung in der "City of Brotherly Love" lebendiger ist denn je.

Paul George, dessen Saison bisher von Verletzungen und einer kuriosen 25-Spiele-Sperre wegen eines nicht bestandenen Drogentests überschattet war, zeigte sein altbekanntes All-Star-Gesicht. Mit 23 Punkten und fünf wichtigen Dreiern war er zur Stelle, wann immer Joel Embiid – der trotz seiner Blinddarm-Operation tapfer 19 Punkte beisteuerte – eine Verschnaufpause brauchte. Das Highlight des Abends war ein spektakulärer Fastbreak im dritten Viertel, den George mit einem artistischen Pass hinter dem Rücken auf Rookie-Sensation VJ Edgecombe krönte, dessen krachender Dunk die Halle zum Kochen brachte.

Bei den Celtics hingegen lief wenig zusammen. Jayson Tatum, der ohnehin schon eine von Verletzungen geprägte Saison hinter sich hat, wirkte angeschlagen und musste zwischenzeitlich wegen einer Wadenblessur behandelt werden. Jaylen Brown kämpfte früh mit Foulproblemen und fand nie seinen Rhythmus. Als Boston Ende des dritten Viertels über vier Minuten lang ohne Korberfolg blieb, nutzten die Sixers die Gunst der Stunde und zogen uneinholbar davon.

Nun steht die Serie 3:3, und das Momentum scheint auf die Seite Philadelphias gekippt zu sein. "Wir leben noch", gab Paul George kämpferisch zu Protokoll. Die Sixers könnten Geschichte schreiben: Erst einmal gelang es einem Team, eine Serie nach zwei 30-Punkte-Klatsche noch zu gewinnen – das war 1959. Am Samstag in Boston wird sich zeigen, ob dieses Team die Nerven besitzt, das Comeback nach dem 1:3-Rückstand zu vollenden.

Minnesota Timberwolves 110:98 Denver Nuggets

Wer braucht schon Guards, wenn er eine Mauer unter dem Korb hat? Die Minnesota Timberwolves haben trotz einer prekären Personallage auf den Außenpositionen die Denver Nuggets mit 110:98 besiegt und die Serie mit 4:2 für sich entschieden. Ohne ihre drei Top-Guards setzten die Wolves auf pure physische Gewalt in der Zone. Das Trio aus Rudy Gobert, Julius Randle und Naz Reid dominierte die Bretter nach Belieben und führte Minnesota zu einem beeindruckenden 64:40-Vorteil bei den Punkten in der Zone.

Der Mann des Abends war jedoch Jaden McDaniels, der mit 32 Punkten und 10 Rebounds über sich hinauswuchs. Unterstützung erhielt er vom Überraschungs-Starter Terrence Shannon Jr., der die verletzungsbedingten Lücken mit 24 Punkten bravourös füllte. Die Timberwolves, als Nummer 6 im Westen gestartet, bewiesen einmal mehr, dass sie in dieser Saison vor keinem großen Namen zurückschrecken und sich auch von massiven Ausfällen nicht aus dem Konzept bringen lassen.

Ex-MVP Nikola Jokic lieferte zwar wie gewohnt eine fast perfekte Statistik ab (28 Punkte, 10 Assists, 9 Rebounds), stand aber am Ende auf verlorenem Posten. Sein Co-Star Jamal Murray erlebte einen Abend zum Vergessen: Von McDaniels gnadenlos verteidigt, traf er nur 4 seiner 17 Würfe und kam lediglich auf 12 Zähler. Auch die 27 Punkte von Cameron Johnson konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass Denver gegen die physische Übermacht der Timberwolves an diesem Abend kein Rezept fand.

Für Minnesota geht die Reise nun weiter nach San Antonio, wo am Montag der Auftakt zur zweiten Runde gegen die Spurs wartet. Die Timberwolves haben eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie auch ohne ihre Spielmacher brandgefährlich sind, solange sie das Spiel langsam und physisch machen können.