Nach einer turbulenten Odyssee seit jener Nacht in Kiew, als zwei folgenschwere Patzer die 1:3-Niederlage gegen Real Madrid besiegelten, kann Karius heute wieder lachen: Sein Team steht unmittelbar vor der Rückkehr in die Bundesliga. Mit sechs Punkten Vorsprung kann Schalke den Aufstieg bereits am Samstag durch einen Heimsieg gegen Fortuna Düsseldorf perfekt machen.
Gegenüber AFP gestand Karius zuletzt, dass er zwar nie an seinen Fähigkeiten, wohl aber an einer neuen Chance gezweifelt habe: "An meiner Leistung vielleicht nicht, aber es gibt Dinge, die man nicht beeinflussen kann", so der 32-Jährige. "Natürlich fragte ich mich, ob ich noch einmal die Möglichkeit bekomme, auf diesem Niveau zu spielen. Ich wusste, dass ich abliefern kann, aber ich brauchte jemanden, der mir wieder das Vertrauen schenkt."
Obwohl die Fehler von 2018 sein Image prägten, war Karius zuvor ein Schlüsselspieler in Jürgen Klopps Team. Erst Tage nach dem Finale wurde bekannt, dass er infolge eines Schlags von Sergio Ramos eine Gehirnerschütterung erlitten hatte. Dennoch absolvierte er nie wieder ein Spiel für die "Reds".
Es folgten Stationen bei Besiktas Istanbul – wo er den Vertrag wegen ausstehender Gehälter kündigte – und Union Berlin, bevor er als vereinsloser Spieler nach Newcastle wechselte. Dort kam er in zwei Jahren lediglich zweimal zum Einsatz und fühlte sich nach eigener Aussage fast schon "im Ruhestand".
Karius: "Eine großartige Geschichte"
Vor einem Jahr wagte Schalke den Neuanfang mit ihm. Sportdirektor Frank Baumann lobt seither Karius’ Einfluss und zieht Parallelen zwischen der Vita des Keepers und der des Vereins: "Loris ist für uns ein absoluter Leistungsträger. Er ist erfahren, ehrgeizig und will unbedingt zurück in die Bundesliga. Das spürt man in jedem Training. Seine eigene Geschichte passt perfekt zur Situation des Klubs."
Noch vor wenigen Jahren spielte Schalke im Halbfinale der Königsklasse (2011) oder wurde Vizemeister (2019). Doch als Karius im Januar 2025 unterschrieb, war der Klub nach zwei Abstiegen fast bis in die Drittklassigkeit durchgereicht worden.
"Mein Ziel war es, den Verein und mich selbst zurück ins Oberhaus zu führen", erklärt Karius. "Mit dieser Vision bin ich angetreten, und ich glaube, es wird eine großartige Geschichte."
Druck im Tor? "Genau das reizt mich"
Ursprünglich als Backup verpflichtet, hat sich Karius zur unangefochtenen Nummer eins entwickelt. Mit nur 28 Gegentoren stellt Schalke die beste Defensive der Liga; Karius führt die Statistik mit elf Partien ohne Gegentor an.
Den enormen Druck auf seiner Position genießt er mittlerweile: "Im Tor ist die mentale Stärke entscheidend. Jeder Fehler kann ein Gegentor bedeuten, für das man allein verantwortlich gemacht wird. Aber genau das reizt mich. Es gibt diese Spiele, in denen die Mannschaft dich braucht und du glänzen kannst."
Mit einem Vertrag bis 2027 sieht Karius seine Zukunft langfristig im Ruhrgebiet: "Ich sehe mich momentan nirgendwo anders. Wir sind jetzt ganz nah dran und müssen nur noch die letzten Schritte gehen."
Zum Match-Center: Schalke 04 vs. Fortuna Düsseldorf
