"Der Stress in der Bundesliga oder allgemein in unserem Geschäft ist sicherlich sehr groß", sagte Niko Kovac von Vizemeister Borussia Dortmund: "Wer passt schon auf den Trainer auf? Wenn der Trainer nicht auf sich aufpasst, beziehungsweise die Familie, dann ist es, glaube ich, ein bisschen schwieriger." Kovac gab zwar zu Protokoll, dass niemand in den Beruf gezwungen werde, der Erfolgsdruck gerade bei großen Klubs sei dennoch enorm: "Wenn du gewinnst, dann sind es die anderen, wenn du verlierst, sind es die Trainer – das ist meistens so."
Max Eberl fordert mehr gegenseitige Fürsorge
Ähnlich äußerte sich Max Eberl. "Die Belastungen sind extrem. Ich habe meine eigene Geschichte, aber ich beschwere mich nicht, weil wir uns diesen Job ausgesucht haben", sagte der einst von einem Burnout betroffene Münchner Sportvorstand bei DAZN: "Aber der Druck ist da, alle drei Tage zu liefern. Der Trainer muss immer wieder die Mannschaft einstellen, du als Verantwortlicher das ganze Drumherum."
Die Entwicklung von Schutzmechanismen ist nach Ansicht Eberls schwierig. "Wir müssen aufeinander aufpassen. Das ist das Entscheidende und so ein bisschen die Krux", sagte der 53-Jährige. Es sei schwierig, einen Trainer zu einer Pause zu überreden - aber nötig: "Wir als erwachsene Männer müssen miteinander sprechen und versuchen Dinge zu erkennen, um dann eben dieser Schutz zu sein."
Klose und Muslic warnen vor fehlenden Auszeiten
Auch Miroslav Klose gab zu, dass sich die Trainer teilweise sehenden Auges in die Probleme hinein manövrieren. "Es ist nicht einfach, denn wir sind alle stur", sagte der Coach des 1. FC Nürnberg: "Wir müssen uns selbst die Freizeit für den Kopf freischaufeln." Auch ihm gelinge es zu selten, mal abzuschalten, gestand der Weltmeister von 2014 ein. Die nötige "Coaching-Hygiene" sei allerdings "so, so wichtig", gab Schalke-Trainer Miron Muslic zu Protokoll, denn "der Tag ist manchmal sehr, sehr lang - unser Job ist sehr fordernd."
Einen Einblick in die anspruchsvolle Trainerwelt gewährte Lothar Matthäus. "Da schaut dir jeder zu. Deswegen willst du keine Fehler machen. Du willst dir danach auch nicht irgendwo etwas nachreden lassen, dass du irgendwas falsch gemacht hast", erklärte der Rekordnationalspieler bei Sky90: "Und diese Gedanken gehen dir vor allem nachts durch den Kopf, wenn du wach wirst und nichts um dich herum passiert. Dann war es so, dass ich um vier Uhr wach war und irgendwann um sieben Uhr Kaffee getrunken habe und drei Stunden an Fußball gedacht habe."
Nach Ansicht von Armin Veh haben Krankheiten in diesem Kosmos keinen Platz. "Du kannst es dir nicht leisten, dass du nicht dabei bist", sagte der langjährige Bundesliga-Coach: "Als Trainer hast du immer Druck, du machst dir tausend Gedanken und du hast Verantwortung. Und das hast du alle drei Tage - und dann bist du irgendwann mal kaputt."
